Ilka Horstmeier, 54, ist seit November 2019 Mitglied des Vorstands der BMW AG für das Ressort Personal und Immobilien sowie Arbeitsdirektorin. Nach Beendigung ihres BWLStudiums an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken startete sie in der BMW Group als Trainee. Zuletzt leitete sie, nach vielfältigen Stationen im Konzern, das Werk in Dingolfing.
V Welche Rolle spielt das Engagement für die Gesellschaft bei BMW? Welche Strategie beziehungsweise Philosophie verfolgen Sie?
Als BMW Group sind wir nicht nur Automobilhersteller, sondern integraler Bestandteil der globalen Gesellschaft. Ein echter Corporate Citizen eben. Und als solcher sehen wir uns als Teil der Lösung vieler großer Zukunftsfragen und Herausforderungen. Wir wollen die Freiheit individueller Mobilität erhalten. Aber das geht nur, indem wir sie elektrisch, digital und zirkulär gestalten. Mit solch innovativem, verantwortungsvollem Handeln tragen wir zu gesellschaftlicher Stabilität bei. Diese ist die Basis für eine gesunde Wirtschaft und somit für die erfolgreiche Zukunft unseres Unternehmens.
V Und wo ist die Verantwortlichkeit dafür im Unternehmen angesiedelt?
Grundsätzlich bei allen Mitarbeitenden. Das macht den Geist unseres Unternehmens aus, das treibt uns an, jeden Tag. Denn Verantwortung endet nicht am Werkstor. Wir haben weltweit rund 150.000 Mitarbeitende aus mehr als 110 Nationen und setzen uns über vielfältige Aktivitäten global ein. Ich unterstütze ein hoch motiviertes Team dabei, dieses Engagement zu koordinieren. Und ich bin stolz darauf, diesen sozialen Einsatz immer weiter auszubauen.
V Können Sie uns Beispiele für Corporate Citizenship von BMW geben?
Wir befähigen junge Führungskräfte weltweit, ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen und durch gemeinsames Handeln einen positiven Wandel herbeizuführen. Dazu gehört etwa die BMW Foundation Herbert Quandt. Zudem fördern wir Schul- und Ausbildung für Kinder und Jugendliche an unseren Standorten weltweit. Über unsere Kultur- und Sportinitiativen setzen wir Zeichen des Zusammenhalts. Und wir unterstützen Menschen, die sich für Diversity stark machen. Ein gutes Beispiel ist der Intercultural Innovation Hub. Zusammen mit der United Nations Alliance of Civilization (UNAOC) zeichnen wir Grassroots-Projekte aus, die interkulturellen Dialog fördern und damit zu Frieden und Vielfalt beitragen. Die Ausgezeichneten erhalten Zugang zu Netzwerken, Finanzmittel und ein zwölfmonatiges Trainingsprogramm samt professionellem Mentoring von erfahrenen Coaches durch die UNAOC, die BMW Group und Accenture.
V Wie wichtig ist gesellschaftliches Engagement heute, wenn es um die Rekrutierung von neuen Mitarbeitern geht?
Sinnstiftung ist das, was in der Arbeitswelt von morgen zählt. Für alle Generationen. Wir befinden uns in einem Wettbewerb um die besten Talente weltweit, der nicht bloß auf unsere Branche beschränkt ist. Also müssen wir als Arbeitgeber Mehrwert bieten. Im Sinne von: gesellschaftlichem Mehrwert. Als Konzern denken wir längst über unseren ursprünglichen Geschäftszweck hinaus. Der Erfolg eines Unternehmens bemisst sich nämlich nicht mehr nur in Geschäftszahlen, sondern an der sozialen Veränderung, die es anstößt. Ich denke, genau deshalb wurde die BMW Group im Trendence Professionals-Barometer zum elften Mal hintereinander von Akademikerinnen und Akademikern zum beliebtesten deutschen Arbeitgeber gewählt.
V Sie suchen Software-Ingenieure, KI-Spezialisten und Datenmanager – international und divers. Wie wollen Sie global im Kampf um junge Talente wettbewerbsfähig bleiben?
Die BMW Group ist in allen Berufsfeldern attraktiv. Bei uns können sich Mitarbeitende auf fachliche und persönliche Weiterentwicklung verlassen, auf ein modernes Arbeitsumfeld, zahlreiche Zusatzleistungen und eine faire Vergütung. Was wir speziell bei IT-Talenten erleben: Gerade für sie sind wir hochattraktiv, weil die Integrationsaufgabe so spannend ist. Egal ob automatisiertes, elektrisches Fahren oder das digitale Erlebnis des Kunden mit dem Fahrzeug. Am Ende der Entwicklung muss das alles zusammenkommen für Freude am Fahren. Dieses Teamerlebnis ist eine enorme Motivation.
V Wie kann hier eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf helfen? Gibt es auch besondere Programme für Führungskräfte, die beispielsweise in Teilzeit arbeiten möchten – ohne Karriereknick?
Auch wir spüren die Auswirkungen bei der Fachkräfteverfügbarkeit. Umso wichtiger wird es, Privatleben und Beruf zu vereinen – etwa über flexible Arbeitszeiten. Bei uns ist das schon lange gelebte Praxis. Auch dabei sind wir innovativ. So haben wir zum Beispiel ein neues Format entwickelt, um weibliche Führungskräfte zu fördern. Beim sogenannten Joint Leadership können zwei Personen im Tandem führen und so für sich flexibel bleiben.
V Wie gestalten Sie die Umstrukturierung hin zu Elektromobilität für Ihre Mitarbeiter in den Werken?
Für uns ist es elementar, frühzeitig mutige Entscheidungen zu treffen, die Umsetzung sorgfältig zu planen, transparent zu kommunizieren und dann jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter eine persönliche Perspektive zu bieten. Das beste Beispiel dafür ist die Schließung der Motorenproduktion in unserem ältesten BMW-Werk in München in diesem Jahr. Hier haben wir inzwischen über 1.200 Mitarbeitende für neue Aufgaben qualifiziert und ihnen zukunftssichere Arbeitsplätze innerhalb der BMW Group vermittelt.
V Welche Eigenschaften machen für Sie einen „Responsible Leader“ aus?
Führung ist keine Position, sondern eine Haltung. Früher wollten Leaders die Besten der Welt sein. Heute geht es darum, die Besten für die Welt zu sein. Und in schwierigen Zeiten wie diesen bedeutet Führung nicht, zu warten, bis der Sturm vorüber ist, sondern auch im Regen zu tanzen. Wir engagieren uns voll und ganz. Und halten, was wir versprechen. Nur mit dieser Einstellung kann man andere begeistern. Führung muss bewegen und Empathie zeigen. In einem Umfeld des Wandels ist Führung anspruchsvoller denn je. Sie muss Orientierung geben, Vertrauen schaffen und auch mit Widersprüchen umgehen können. Wir müssen in der Gegenwart Lösungen für die Zukunft finden und dürfen dabei nicht Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung oder wirtschaftlichen Erfolg gegeneinander abwägen, sondern müssen all diese Ebenen miteinander denken und vereinbaren.
V Welche Eigenschaften sollte ein junger Bewerber mitbringen, wenn er oder sie bei BMW Karriere machen will?
Zuallererst die starke Motivation, Mobilität neu zu gestalten – elektrisch, digital, zirkulär. Dafür brauchen wir Menschen, die Freude an Verantwortung haben und hochvernetzt arbeiten können. Wer als zukünftige Führungskraft den Wandel gestalten möchte, benötigt Authentizität, Empathie und Kommunikationsfähigkeit. Denn Menschen arbeiten zwar bei Unternehmen, aber sie vertrauen Menschen.
Die Fragen stellte Gabriele Kalt.




