Am Disability Confidence Day in München brachten die Veranstalter myAbility und Charta der Vielfalt Entscheider:innen aus ganz Deutschland zusammen, um neue Wege für erfolgreiche Inklusion von Menschen mit Behinderungen in der Wirtschaft zu thematisieren.
Der Inklusionssummit der deutschen Wirtschaft fand bereits zum dritten Mal am Unternehmenssitz von Accenture in München statt. Neben der konkreten Wissensvermittlung stand der multidisziplinäre Netzwerkaufbau am Programm. Perspektiven aus Unternehmen, Politik, Wissenschaft und Praxis kamen zusammen mit dem Ziel konkrete Handlungsspielräume zu definieren. Denn das Motto „Zwischen Haltung und Handeln“ sollte klar auf die Notwendigkeit hinweisen, nicht nur Bewusstsein für die Relevanz von Inklusion zu schaffen, sondern anhand konkreter Schritte reale Unterschiede für Menschen mit Behinderungen zu machen.
Vertreter:innen zahlreicher internationaler Konzerne sowie aus dem deutschen Mittelstand interessierten sich gleichermaßen neue Anregungen zu erhalten.
Von strategischer Verankerung bis hin zu Erkenntnissen aus Sicht von Menschen mit Behinderungen
„Inklusion ist kein Ziel, sondern eine Reise“ betonte Michael Aumann, Geschäftsführer der myAbility Deutschland GmbH im Rahmen der Veranstaltung. Das bedeute, dass man mit klarer strategischer Ausrichtung starten müsse. Dabei sei ein Bekenntnis der Führungsetage zentral, um zielgerichtete Maßnahmen möglich zu machen. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass Einzelinitiativen und Aktivitäten auch auf die Inklusions-Strategie einzahlen. Dabei bieten sich regelmäßige Evaluierung und Messung des Fortschritts an. So entsteht Inklusion entlang nachvollziehbare KPIs, statt isoliertem Engagement Einzelner.
Die Strategie gut abgestimmt in operative Umsetzung zu überführen, wurde im Rahmen einer Podiumsdiskussion erörtert. Auf der Bühne sprachen Christina Raab, Market Unit Lead Accenture Central & Eastern Europe, Christina Puchstein, Head of Sustainability & Social Impact Solutions, MSD, Daniel Büchle, Chief executive officer, AfB Social & Green IT und Michaela Jaap, Mitglied des Vorstandes der Charta der Vielfalt aus ihren Erfahrungen als Top Manager:innen. Inklusion benötigt Budgets und dezidierte Rollen, waren sich die Bühnengäste einig. Allerdings sind einzelne engagierte Personen ab einer gewissen Unternehmensgröße nicht mehr ausreichend, um Inklusion zu stärken. Idealerweise werden Führungskräfte über Abteilungen hinweg einbezogen mit klaren Zielen. In der Kommunikation bleibt das oberste Prinzip: authentisch bleiben und Lücken offen ansprechen. Mit dieser positiven Fehlerkultur entsteht psychologische Sicherheit und eine Kultur des Vertrauens, die wiederum dabei hilft Handlungsfelder zu adressieren.
Wirksamkeit im eigenen Handlungsspielraum
Inspiration für wirksame Maßnahmen im eigenen Handlungsspielraum erhielten Teilnehmende in entsprechenden Workshops. Für alle Fachbereiche wurden Praxisbeispiele und Tipps angeboten. Von Employer Branding über digitale Barrierefreiheit bis hin zu inklusiven Leadership skills. Dabei wurde die Perspektive von Betroffenen stets eingebaut – eines der wichtigsten Prinzipien von authentischer Inklusionarbeit. Betroffene können beispielsweise in Form von professionellen Employee Ressource Groups oder als Role Models den Weg hin zu inklusiven Strukturen mitgestalten. In drei Session-Runden wählten die Teilnehmenden jeweils zwischen zwei Formaten.
Den Auftakt machte die Session „Neuroinklusion im Unternehmen: Vom Recruiting bis zur Weiterentwicklung“. Eine von fünf Personen ist neurodivergent und bringt individuelle Arbeitsweisen, Stärken und Perspektiven mit, die viele Unternehmen noch nicht nutzen. Gemeinsam mit Vertreterinnen von Capgemini Deutschland und der Charta der Vielfalt wurde diskutiert, wie Recruiting, Onboarding, Zusammenarbeit, Führung und Entwicklung neuroinklusiv gestaltet werden können – und welche Veränderungen im Alltag einen großen Unterschied machen. Parallel ging es um die Frage, wie sich digitale Barrierefreiheit verlässlich prüfen lässt. Automatisierte und KIgestützte Checks machen Barrieren schneller sichtbar, ersetzen aber nicht die Perspektive von Nutzer:innen mit Behinderungen. Manuelle Prüfungen und User-Tests bleiben deshalb unverzichtbar.
In der zweiten Runde stand Employer Branding aus Sicht von Menschen mit Behinderungen im Fokus. Anhand konkreter Beispiele wurde analysiert, welche Signale in Unternehmensprofilen, Stellenanzeigen und der direkten Ansprache Vertrauen schaffen – und was den Unterschied macht zwischen „Hier bewerbe ich mich“ und „Hier eher nicht“. Die Session zu Inclusive Leadership gemeinsam mit Dr. Christina Puchstein von MSD Deutschland, zeigte, wie Führungskräfte Prinzipien wie Awareness, psychologische Sicherheit und Zugehörigkeit in konkretes Handeln übersetzen. Denn erst inklusive Führung macht Vielfalt zur Stärke.
Zum Abschluss rückten Mitarbeitendennetzwerke als Inklusionshebel in den Mittelpunkt. Praxisbeispiele von Accenture zeigten, wie Employee Resource Groups, Role Models und Bottom-up-Initiativen aufgebaut und sinnvoll in bestehende Strukturen eingebunden werden können, um von der Initiative zur Wirkung zu kommen. Die parallele Session griff die Frage der Messbarkeit auf und verstand Inklusion als Innovationsreise: Wo bestehen noch Wahrnehmungslücken, und welche neuen Ansätze machen Fortschritte messbar und strategisch steuerbar?
Inklusion als selbstverständlichen Bestandteil von Führung verstehen
Am begleitenden C-Level-Lunch nahm unter anderem Christina Raab, Market Unit Lead Accenture Central & Eastern Europe teil. Als Top-Managerin bringt sie unternehmerische Motivation für das Thema Inklusion auf den Punkt: „Bei Accenture stehen die Menschen im Mittelpunkt – mit all ihren unterschiedlichen Erfahrungen, Perspektiven und Fähigkeiten. Diese Vielfalt ist uns wichtig und fördert Innovation. Wir setzen uns daher für Chancengleicheit und ein inklusives Arbeitsumfeld ein und schaffen eine Kultur, in der sich alle Mitarbeitenden zugehörig fühlen, respektiert werden und ihr Potenzial entfalten können.“
Für ausreichend Motivation der Teilnehmenden sorgte Janis McDavid mit seiner KeyNote. Janis ist Speaker, Autor und Para-Schwimmer und regt mit seinen eindrucksvollen Vorträgen einen Perspektivenwechsel an. Inklusion sei der natürliche Zustand, wie man unter Kindern beobachten könne. Behinderungen sind eine Frage des Kontextes: unter den richtigen Rahmenbedingungen können Menschen mit Behinderungen ihr volles Potenzial entfalten.
Janis sowie viele weitere Persönlichkeiten auf der Bühne sind bereits Teil der Initiative 100 Stimmen für eine chancengerechte Wirtschaft, die im Rahmen des Disability Confidence Days auch erstmals angekündigt wurde. Präsentiert soll die öffentlichkeitswirksame Kampagne anlässlich des internationalen Tages der Menschen mit Behinderungen werden. Botschaft aus dem Kreis der Führungspersönlichkeiten: Vorstandsetagen und Geschäftsführungen tragen Verantwortung für erfolgreiche Inklusion, denn Menschen mit Behinderungen sind ein wichtiger Teil der Wirtschaft, der nicht übersehen werden darf.
Wenn Vielfalt gewinnt, gewinnen wir alle.
Gerade in Zeiten von schrumpfenden Diversity und Inclusion Budgets gilt mehr denn je, dass Netzwerke ein mächtiger Hebel für gesellschaftliche Veränderung darstellen. Darum bot der Disability Confidence Day Zeit und Raum für Vernetzung und Austausch zwischen den Akteuren. Gesprächsanlass bot auch AfB social & green IT, eines der größten Inklusionsunternehmen Deutschlands. An ihrem Stand konnten Teilnehmende erfahren wie AfB gebrauchte IT-Geräte aufbereitet (refurbishen) und dabei auf inklusive Teams setzt. Wichtige Partner:innen waren auch die diversen Sponsor:innen sowie die Mitveranstalterin Charta der Vielfalt als gewichtiges Netzwerk von Arbeitgebenden mit ihrem Motto „Wenn Vielfalt gewinnt, gewinnen wir alle“.
Über myAbility

myAbility verbindet unternehmerisches Denken mit sozialer Wirkung für Menschen mit Behinderungen. Das Unternehmen begleitet Firmen mit Beratung, Trainings und Recruiting-Angeboten auf dem Weg zu mehr Chancengerechtigkeit, unter anderem über die größte inklusive Jobplattform im deutschsprachigen Raum. Ergänzend unterstützt myAbility bei bau- und digitaler Barrierefreiheit, einschließlich Accessibility-Tests von Produkten, und betreibt mit dem Wirtschaftsforum das größte B2B-Netzwerk zu Wirtschaft und Behinderung im deutschsprachigen Raum.




