Start-up: Ein neues Geschäftsmodell für Kunststoffverpackungen

Das Ziel der Kreislaufwirtschaft bei Produktverpackungen besteht darin, den Verbrauch von neuem Kunststoff zu minimieren, indem er durch recycelten Kunststoff (Rezyklat) ersetzt wird und somit der Materialkreislauf geschlossen wird. Um diesen Schritt zu erleichtern, entwickeln Hersteller Verpackungen mit erhöhter Recyclingfähigkeit und nutzen bereits verwendeten und recycelten Kunststoff für ihre Verpackungen. Die Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (Packaging and Packaging Waste Regulation, PPWR) der Europäischen Kommission schreibt vor, dass Kunststoffverpackungen in der EU bis 2030 recycelbar oder wiederverwendbar sein müssen. Zusätzlich müssen Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff mindestens 10 Prozent Rezyklat enthalten, bei Einweggetränkeflaschen und Lebensmittelverpackungen aus Polyethylenterephthalat (PET) sind mindestens 30 Prozent erforderlich. Andere Kunststoffverpackungen müssen mindestens 35 Prozent enthalten, wobei die Ziele bis 2040 bei über 50 Prozent liegen. Viele Markeninhaber haben sich selbst Ziele für 2025 gesetzt. Das treibt die Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Rezyklat, insbesondere PET, Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP), an. Die Einführung von Rezyklat erfordert erhebliche Ressourcen und Fachwissen, wobei die Hauptprobleme darin bestehen, geeignete Qualitätsmaterialien für Produktanwendungen zu finden und gleichzeitig die Kosten möglichst gering zu halten.

Komplexer Prozess

Die Beschaffung von ausreichend hochwertigen Materialien ist für Markeninhaber und Hersteller ein komplexer Prozess, welcher Identifizierung, Überprüfung, Genehmigung und Kontrolle von recycelten Materialien umfasst. Dies kann bei PE und PP bis zu zwölf Monate lang dauern, wobei der Erfolg nicht garantiert ist, denn jeder Recycler produziert verschiedene Materialqualitäten – die gesammelten und sortierten Verpackungen unterscheiden sich, ebenso die verwendeten Maschinen und Prozesse. Auch der Preis spielt eine Rolle: Hochwertiges PE- und PP-Rezyklat mit stabilen und guten Eigenschaften kann doppelt so teuer sein wie neuer Kunststoff. Um ihr Materialangebot zu erhöhen, müssen Recycler in Qualität und Kapazität investieren und setzen auf langfristige Verpflichtungen bei der Mengenabnahme. Die Hersteller versuchen demgegenüber, Materialien in kurzen Zyklen zu niedrigeren Preisen zu sichern.

Resycure, ein Unternehmen aus dem Gründerzentrum Chemovator von BASF, unterstützt Markeninhaber und Hersteller bei der Identifizierung und Qualifizierung von optimalem Rezyklat in Bezug auf Kosten und Qualität. Das Start-up arbeitet mit Recyclern zusammen, um deren Materialqualität zu verbessern, zum Beispiel bei PE und PP für Kosmetik- und Haushaltsprodukte, die oft Probleme mit der Geruchs- und Schadstoffentfernung haben.

Nachfrage bündeln

Darüber hinaus besteht der Ansatz von Resycure darin, die Nachfrage von mehreren Herstellern mit ähnlichen Anforderungen zu bündeln, um für Recycler Investitionen in Kapazität und verbesserte Prozesse zu rechtfertigen sowie Versorgungssicherheit zu garantieren und günstige Preise zu ermöglichen. Ziele sind langfristige Lösungen zwischen Herstellern und Recyclern, die Unterstützung beider Parteien bei der Qualitätsverbesserung und die vermehrte Nutzung von Rezyklat. So wird letztendlich dazu beigetragen, den Kreislauf für Kunststoffverpackungen zu schließen.

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