Start-ups sind die Innovationsmotoren unserer Zeit: Sie entwickeln Lösungen für die drängendsten Herausforderungen – vom Klimawandel über die Digitalisierung bis hin zu sozialen Themen – und schaffen dabei neue Märkte und Arbeitsplätze. Doch laut dem Female Founders Monitor 2025 der Bertelsmann-Stiftung gehen nur knapp 19 Prozent der Start-up-Gründungen in Deutschland auf Frauen zurück, bei der Finanzierung erhalten sie sogar nur 9 Prozent der verfügbaren Finanzierungsmittel. Ein entscheidendes Problem, denn Innovation braucht Vielfalt. Von KI-Anwendungen bis zu sozialen Innovationen – unsere Beispiele zeigen: Für viele nachhaltige und gesellschaftliche Themen finden Female Founders Lösungen. Die Perspektiven sind da, müssen aber sichtbar gemacht und gefördert werden. Sechs Start-ups mit mindestens einer Gründerin stellen sich vor.

GRÜNDERINNEN
Cecilia Wörthmüller & Franziska Wörthmüller
GRÜNDUNGSJAHR
2022
IMPACT-FOKUS
Schadstoffarme und CO2e-reduzierte Baumaterialien
UNTERNEHMENSITZ
Berlin
Die Idee: Baumaterialien verursachen 11 Prozent der globalen CO₂-Emissionen und enthalten nachweislich 177 gesundheitsschädliche Schadstoffe. Damit sind sie ein zentrales Gesundheits- und Umweltproblem. ESG-Zertifizierungen, staatliche Förderprogramme und EU-Taxonomie schaffen Rahmen und Anforderungen für nachhaltige Gebäude – doch der Weg dahin ist komplex. Eine nachhaltige Materialprüfung dauert heute 4 bis 6 Wochen und kostet bis zu 50.000 €. CHAGOS automatisiert diesen Prozess und reduziert ihn um 90 Prozent auf 1 bis 3 Tage. Die KI-gestützte Plattform ermöglicht erstmals skalierbare Materialaudits und unterstützt gezielt die Reduktion von Schadstoffen und CO₂e.
Das Ziel: CHAGOS wird das Betriebssystem für nachhaltige Materialdaten im Bauwesen. Wir haben gerade den Beta-Launch abgeschlossen. Ende 2025 folgt der Rollout in Deutschland, dann DACH und Europa. Bereits Anfang 2026 werden wir Europas größte Datenbank geprüfter, nachhaltiger Materialien sein.
Unser größtes Aha-Erlebnis: Dass selbst ein großes Umweltproblem wie Bauschadstoffe nur dann lösbar ist, wenn man es als konkretes Nutzerproblem versteht – und mit viel Mut in kleinen, schnellen Schritten die Lösung vorantreibt.

GRÜNDER:INNEN
Parnian Fazel & Hannes Jürgensen
GRÜNDUNGSJAHR
2025
IMPACT-FOKUS
Digitale mentale Gesundheit, Biofeedback, Neurodivergenz
UNTERNEHMENSITZ
Hamburg
Die Idee: Heutzutage leiden immer mehr Menschen unter Stress, Konzentrationsproblemen oder neurodivergenten Symptomen – doch bestehende Lösungen reichen nicht aus: Wearables tracken nur und Mental-Health-Apps bieten lediglich generische Trainings.
Biohugs ist eine KI-gestützte Biofeedback-Plattform, die in Echtzeit physiologische Signale (z. B. EEG, EKG) analysiert und daraus individuelle Mikrointerventionen ableitet – für kognitive und emotionale Regulation. Das Besondere: Sie funktioniert nahtlos mit alltäglichen Wearables und macht evidenzbasiertes Biofeedback erstmals im Alltag nutzbar.
Das Ziel: Wir möchten Biohugs als führende Plattform für digitale mentale Gesundheit etablieren – um Biofeedback jederzeit und überall zugänglich zu machen. Nächste Meilensteine: globaler Launch im Herbst 2025, B2B-Integration mit Kliniken und langfristig MDR-Zertifizierung sowie Erstattung durch Krankenkassen.
Unser größtes Aha-Erlebnis: Dass unsere Körper die besten Coaches sind – wenn man ihnen eine Stimme gibt.

GRÜNDER:INNEN
Caroline Schober (Bild: Frederic Leixner)
GRÜNDUNGSJAHR
2023
IMPACT-FOKUS
Kreislaufwirtschaft
UNTERNEHMENSITZ
Wien
Die Idee: Die Modeindustrie belastet Umwelt und Klima – durch Überproduktion, CO₂-Ausstoß, Wasserverbrauch und enorme Mengen an Textilmüll. Besonders Kinderkleidung wird nur kurz getragen und landet schnell im Abfall. Kinder wachsen rasant – bis zu 12 Kleider- und 22 Schuhgrößen in 15 Jahren – das bedeutet ständig neue Kleidung. Neworn bietet eine nachhaltige Lösung: ein digitaler Marktplatz für Secondhand Kindersachen und unverkaufter Neuware, der Eltern hilft, nachhaltig zu handeln, indem sie hochwertige Kleidung und Zubehör einfach kaufen und verkaufen können. Nutzer*innen sammeln dabei Treuepunkte, die sie für exklusive Partnerangebote einlösen können. Nutzerfreundlichkeit, Sicherheit und Vertrauen stehen dabei an erster Stelle.
Das Ziel: Wir wollen Secondhand zur ersten Wahl machen – so einfach, bequem und attraktiv wie der Kauf von Neuware. Mit integrierter KI und einem herausragenden Nutzererlebnis schaffen wir eine Plattform, die nachhaltigen Konsum alltagstauglich macht und echten Mehrwert für Familien bietet.
Mein größtes Aha-Erlebnis: Man erkennt das Potenzial einer Idee oft erst im Tun – manche scheinbar genialen Konzepte scheitern, während andere, an denen man zunächst zweifelte, überraschend erfolgreich sind.

GRÜNDER:INNEN
Lena Stöcker & Philipp Walter
GRÜNDUNGSJAHR
2025
IMPACT-FOKUS
Bildung für nachhaltige Entwicklung
UNTERNEHMENSITZ
Frankfurt
Die Idee: Die Klimakrise erfordert eine Verkehrswende, doch die Zahl der Autos steigt weiter. Kein Wunder: In Kinderzimmern dominieren Autos, v.a. auf Spielteppichen, auf denen die Stadt nur aus Straßen für Autos besteht. Dabei prägt Spielzeug, was wir als normal empfinden und wie wir später leben. Hier setzt Spielwende an – unsere Spielteppiche zeigen eine zeitgemäße Stadt mit Fahrradwegen, ÖPNV und kleinen Alltagssituationen. So wird nachhaltige Mobilität selbstverständlich und sichtbar. In Kooperation mit Kommunen und Verkehrsverbünden entstehen zudem stadtspezifische Motive mit echtem Alltagsbezug.
Das Ziel: Wir wollen Spielwende zur führenden Marke für kindgerechtes Stadtspiel machen. Nach ersten Kooperationen mit Hamburg und Berlin sind wir mit Freiburg, Münster und Göttingen in der Planungsphase. Zusätzlich soll noch mehr passendes Zubehör entwickelt und Kooperationen mit Kommunen intensiviert werden.
Unser größtes Aha-Erlebnis: Wie viel man lernen und bewirken kann, wenn man einfach loslegt – auch (und gerade) als Mutter zweier Kinder.

GRÜNDER:INNEN
Carina Seliger & Svenja Gallasch
GRÜNDUNGSJAHR
2025
IMPACT-FOKUS
femTech
UNTERNEHMENSITZ
Lübeck
Die Idee: Weltweit leiden etwa 1,5 Milliarden Menstruierende unter Zyklusbeschwerden wie Schmerzen, Müdigkeit oder psychischen Verstimmungen. Viele gynäkologische Erkrankungen wie Endometriose oder PCOS bleiben oft unerkannt, da Diagnosen Jahre dauern und die ärztliche Versorgung unzureichend ist. femCycle bietet digitale Hilfe: eine medizinische App, die individuell auf Beschwerden eingeht, multimodale Selbsthilfestrategien vermittelt und durch kontinuierliches Symptom-Tracking die Diagnose und Behandlung verbessert. So trägt femCycle zur Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen bei.
Das Ziel: Mit femCycle wollen wir gemeinsam die Gesundheit von Menstruierenden weltweit verbessern und die Gender Health Gap schließen. Dieses Jahr entwickeln wir den Prototypen zusammen mit Betroffenen weiter, um 2026 als zertifiziertes Medizinprodukt in DE auf den Markt zu gehen und Betroffenen zu helfen.
Unser größtes Aha-Erlebnis: Dass wir unseren eigenen Leidensweg in eine wirkungsvolle Start-up-Idee verwandeln konnten, um anderen Betroffenen zu ersparen, dasselbe durchmachen zu müssen.

GRÜNDER:INNEN
Lydia Zoubek, Martin Zoubek, Layla Feßel-Quentin und Max Feßel-Quentin
GRÜNDUNGSJAHR
2023
IMPACT-FOKUS
Barrierefreiheit & Inklusion im Sport, digitale Gesundheitsförderung
UNTERNEHMENSITZ
Neu-Isenburg
Die Idee: Blinde und sehbehinderte Menschen werden in der Fitness- und Gesundheitsbranche oft übersehen. Unsere Co-Gründerin Lydia hätte sich zum Beispiel in einem Fitnessstudio nur mit einer umfassenden Verzichtserklärung anmelden dürfen – leider kein Einzelfall. Bewegte Inklusion schließt diese Lücke: Unsere App Fitness zum Hören bietet barrierefreie, rein audio-basierte Fitnesskurse für die Hosentasche. Ergänzt wird das Ganze durch Zoom-Kurse, in denen die Übungsausführung kontrolliert werden kann. So entsteht ein inklusives Angebot, das Selbstständigkeit und Teilhabe fördert – ganz ohne Barrieren.
Das Ziel: Wir wollen im B2C-Bereich durch Sichtbarkeit und weitere Angebote wie kassenzertifizierte Präventionskurse noch mehr Mehrwert für blinde und sehbehinderte Menschen schaffen – sowie im B2B-Bereich unsere Expertise nutzen, um andere Unternehmen bei barrierefreien Lösungen zu unterstützen. Auch international.
Unser größtes Aha-Erlebnis: Als eine blinde Teilnehmerin sagte: „Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass ein Sportangebot wirklich für mich gemacht wurde.“




