Wir haben lange, vielleicht zu lange nur über Nachhaltigkeit gesprochen. Nun ist die Zeit des Handelns gekommen. Aktuelle Studien des Edelmann Trust Barometers (2022) zeigen, dass insbesondere Unternehmen als kompetent darin gelten, die nachhaltige Transformation unserer Wirtschaft voranzutreiben. Gleichzeitig setzt die Politik zahlreiche Maßnahmen um – EU-Taxonomie, Lieferkettengesetz, ESG-Richtlinien sowie neue Berichtspflichten (CSRD) –, die Unternehmen und ihre Geschäftsmodelle in Zukunft massiv verändern sollen. Wie können Politik, Unternehmen und Gesellschaft positiv zusammenwirken? Wie können aus den umfangreichen Pflichten unternehmerische Chancen entstehen? Und wie können Unternehmen die vielfältigen Anforderungen überhaupt durchdringen und zeitgerecht umsetzen?
Forderungen der Gesellschaft
Die Stakeholder sind immer mehr sensibilisiert und berücksichtigen Nachhaltigkeit in ihren Entscheidungen. Global berücksichtigen laut dem Edelman Trust Barometer (2021) mittlerweile rund 58 Prozent der Konsumenten Nachhaltigkeitskriterien bei ihrer Kaufentscheidung beziehungsweise bei der Weiterempfehlung von Produkten. 60 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer berücksichtigen Nachhaltigkeit bei der Wahl ihres Arbeitgebers, und 66 Prozent der Investoren reflektieren die Nachhaltigkeit bei ihrer Investitionsentscheidung. Gleichzeitig fordert die Gesellschaft immer mehr Nachhaltigkeit von den Unternehmen ein. 52 Prozent der Stakeholder sagen, Unternehmen engagierten sich zu wenig für den Klimaschutz, aber auch in den Themenfeldern wirtschaftliche Ungleichheit, Gesundheit und Schulung des Personals sollten sich Unternehmen mehr einbringen als bisher. Nur rund 10 Prozent der Menschen sind der Ansicht, dass Unternehmen sich bereits zu viel dem Thema Nachhaltigkeit widmen. Neueste Studien von Edelman zeigen zudem, dass Unternehmen mit guter ESG-Performance als resilienter in Krisen wahrgenommen werden. Und laut McKinsey & Company wird durch den Fokus auf ESG der Profit nicht reduziert, sondern ganz im Gegenteil zeige ein Großteil der Studien, dass ESG einen positiven Impact auf den Unternehmenswert habe. Daraus leitet sich die Notwendigkeit ab, sich intensiv mit dem Thema „nachhaltiges Management“ zu beschäftigen.
Wer damit beginnt, findet sich jedoch schnell in einem Wirrwarr von Abkürzungen und ganz unterschiedlichen Perspektiven wieder. „ESG“, „SDG“, „CSR“, „CSRD“, „Corporate Citizenship“, „Nachhaltigkeitsmanagement“, „nachhaltiges Management“, „Impact Measurement“, „Purpose“ und „Kreislaufwirtschaft“, um nur ein paar wenige zu nennen, überfordern so manchen Neueinsteiger in die Welt des nachhaltigen Managements. Damit geht die Herausforderung einher, interne Kompetenzen und ein zum Unternehmen passendes Verständnis zu entwickeln, welches zugleich den vielfältigen Anforderungen und Ansprüchen aus der Politik genüge leistet. Sozusagen braucht es eine Pflicht und eine Kür – und genau hierin liegt die Chance! Oft ist es die Pflicht, die als herausfordernd wahrgenommen wird, die es aber zu erledigen gilt. Die Kür ist es dann, die den Unternehmen neue Chancen aufzeigt und Nutzen stiftet. Daher sollte man es nicht nur bei der Pflicht belassen, dann würde man sich vieler Chancen berauben. Tipp: Sich von Anfang an mit dem Thema Nachhaltigkeit unternehmerisch befassen und es als Chance für Innovation und unternehmerischen Erfolg begreifen.
Nachhaltigkeit wird zum Profit
Denn hat man einmal das oft in den Köpfen vorherrschende Gegensatzdenken zwischen Profit und Nachhaltigkeit überwunden, entstehen in der nachhaltigen Transformation ganz neue Chancen in Form von neuen Produkten, Dienstleistungen, Geschäftsmodellen, Managementansätzen und Innovationen. Kurz gesagt: „Nachhaltigkeit wird zum Profit“ und hilft dem Unternehmen, sich fit für die Zukunft zu machen. Denkt man dann auch noch die Gegenwart von der Zukunft her, dann etabliert man ein nachhaltiges Management, das keinen Verzicht darstellt, sondern einen Mehrwert für das ganze Unternehmen in allen Bereichen schafft. Diese neue Perspektive auf Nachhaltigkeit fördert bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Denken aus der Fülle der Möglichkeiten und gibt somit Mut, nachhaltige Innovationen gemeinsam unternehmerisch umzusetzen.
Kein Entscheidungsträger sollte sich die aktuellen Chancen nehmen lassen, die sich aus den Nachhaltigkeitsanforderungen ergeben. Was ist dazu nötig? Ein neues Mindset und Know-how im Bereich des nachhaltigen Managements. Wie kann man dieses aufbauen? Durch Vernetzung, Weiterbildung und konkrete abteilungsübergreifende Zusammenarbeit am Thema. Sind es doch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst, die laut einer aktuellen Studie von Oxford GlobeScan (2021) der wichtigste Hebel in der Nachhaltigkeitstransformation des Unternehmens sind. Und laut dem IBM Institute for Business Value (2022) würden rund 30 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Job wechseln, um für ein nachhaltiges Unternehmen zu arbeiten. Die Schulung und Weiterentwicklung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bereich Nachhaltigkeit ist daher ein wichtiger Schlüssel, um Fachkräfte zu gewinnen beziehungsweise zu halten und ihnen gleichzeitig die notwendige Orientierung in der anstehenden Nachhaltigkeitstransformation zu geben. Das Wissen im Bereich Nachhaltigkeit können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Konferenzen, durch die Lektüre von Managementpublikationen und durch Podcasts sowie mittels Nachschlagewerken erwerben. Fazit: Ähnlich wie im Übergang von der Agrar- in die Industriegesellschaft, müssen wir auch in der gegenwärtigen Wirtschaftstransformation vieles neu denken. Der momentane, oft als Zeitenwende bezeichnete Übergang wird nicht minder weitreichend für uns alle sein, wie es die Industrialisierung vor rund 200 Jahren war. Auch damals hat sich die Wirtschaft grundlegend verändert. Diese Transformation positiv zu gestalten und uns in diesen herausfordernden Zeiten wechselseitig Orientierung zu geben ist unser gemeinsamer gesellschaftlicher Auftrag und eine unternehmerische Jahrhundertchance zugleich.




