Die weltweite Lebensmittelverschwendung stellt eine der größten Herausforderungen unserer Generation dar. Allein in Deutschland fallen nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft jedes Jahr rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. Dies stellt nicht nur eine enorme Ressourcenverschwendung dar, sondern hat auch negative Auswirkungen auf die Umwelt und den Klimawandel. Die Reduzierung der Lebensmittelverschwendung ist daher ein zentrales Ziel der Nachhaltigkeitsagenda der Vereinten Nationen und eine wichtige Herausforderung für die Landwirtschaft, die Lebensmittelindustrie und die Verbraucher. In diesem Kontext gewinnen auch neue Technologien, insbesondere die Künstliche Intelligenz (KI), zunehmend an Bedeutung.
Ein großer Teil der Lebensmittelverschwendung entsteht bereits auf Ebene der Lieferanten aufgrund von schlechter Planung. Von den 11 Millionen Tonnen entfallen etwa 45 Prozent auf den Bereich der Produktion und Lieferung. Lieferanten produzieren oft zu viele Lebensmittel, um auf unvorhergesehene Nachfrageschwankungen reagieren zu können, was dazu führt, dass überschüssige Lebensmittel entsorgt werden müssen. Die Lebensmittelverschwendung hat nicht nur ökologische und soziale Auswirkungen, sondern auch wirtschaftliche Folgen. Laut einer Studie der Universität Stuttgart aus dem Jahr 2018 belaufen sich die Kosten der Lebensmittelverschwendung in Deutschland auf rund 12 Milliarden Euro pro Jahr. Dies zeigt, dass eine Reduzierung der Lebensmittelverschwendung nicht nur aus ethischen Gründen wichtig ist, sondern auch ökonomische Vorteile bringt.
Planungssicherheit
Um die Lebensmittelverschwendung auf Lieferantenebene zu minimieren, ist es von großer Bedeutung, die Planung zu optimieren und genauere Prognosen hinsichtlich der Nachfrage zu erstellen. Hierfür bietet sich der Einsatz von KI-Technologien an, welche die Analyse von Daten wie Bestellhistorien, Verkaufszahlen und beispielsweise Wettervorhersagen ermöglichen. Durch eine individuelle Anpassung von KI-Modellen an die spezifischen Anforderungen und Bedürfnisse von Lieferanten ist es möglich, noch präzisere Vorhersagen und Optimierungen zu erzielen. So können Abschriften um bis zu 30 Prozent eingespart werden. Anwendung findet dies bereits im Frische- und Ultrafrische-Bereich. Ein Beispiel hierfür sind Backwaren, die durch KI-basierte Lösungen optimal beplant werden können, wodurch das Reaktionszeitfenster der Lieferanten und Hersteller auf Bestellmengen auf eine Woche erweitert werden kann. Dies hat positive Auswirkungen auf die Planungssicherheit und die Kosten für den Hersteller. In Zeiten steigender Energie- und Rohstoffpreise ist es für den Hersteller besonders wichtig, ressourcenschonend zu arbeiten, was durch die KI-basierte Planung unterstützt wird.
Vendor-managed Inventory
Dahinter verbirgt sich unter anderem eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Lieferanten und Einzelhändlern. Durch die Anwendung von KI kann nicht nur die optimale Bestellmenge, sondern auch die maximale Warenverfügbarkeit im Einzelhandel sichergestellt werden. Auf diese Weise können Umsätze beispielsweise um bis zu 4 Prozent gesteigert und eine zufriedenstellende Verfügbarkeit für die Kunden garantiert werden. Der Einsatz von KI trägt somit nicht nur zur Nachhaltigkeit, sondern auch zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und der Kundenzufriedenheit bei. Mit dem neuen Gesetz zur Stärkung der Organisationen und Lieferketten im Agrarbereich wird es für den Einzelhandel zunehmend wichtiger, die Bestellmengen im Blick zu behalten. Das Gesetz gegen unlautere Handelspraktiken sieht bei einer Planung durch den Einzelhandel auch die Übernahme der Abschriften durch eben diesen vor. Mit sogenannten Vendor-managed-Inventory Konzepten (lieferantengesteuerter Bestand, Anm.) können Einzelhändler die Planung und die Kosten weiterhin an Lieferanten beziehungsweise Hersteller weiterleiten. Diese erhalten Verkaufsfläche vom Einzelhandel und sind bis zum Verkauf weiterhin Eigentümer der Ware. Um die Planung effektiv zu gestalten und die Kosten gering zu halten, bietet sich die durchgängige Planung von der Produktion bis hin ins Supermarktregal an, bei der die KI-basierten Tools ihr wahres Potential zeigen.




