Nur knapp ein Drittel sieht das anders. Maßnahmen zum Schutz der Umwelt beschränken sich zum Beispiel meist auf die vergleichsweise leicht messbaren Kennzahlen wie CO2-Ausstoß und Stromverbrauch. Komplexere Vorhaben, etwa der Erhalt und der Schutz der Biodiversität, finden kaum Beachtung. Soziale Ziele gehen viele Unternehmen und Verwaltungen ebenfalls zögerlich an. Im Fokus stehen niederschwellige Schritte wie ein breites Weiterbildungsangebot oder sichere und ergonomischere Arbeitsplätze.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von Sopra Steria und dem F.A.Z-Institut. Sie wollten herausfinden, wie verbreitet „gute“ Prinzipien in Wirtschaft und Verwaltung sind. Hierfür wurden Entscheiderinnen und Entscheider befragt, wo sie sich hinsichtlich der ESG-Dimensionen verorten, auf welche Maßnahmen sie setzen und in welchen Bereichen sie die gesetzlichen Mindeststandards übertreffen.
Trotz zahlreicher interner Gründe, sich als Good Company zu positionieren, sieht sich ein Großteil der Entscheiderinnen und Entscheider von externen Umständen angetrieben. Unternehmen und Verwaltungen, die in der Rolle des Smart Follower verharren, verschenken jedoch leichtfertig Potenzial für die eigene Organisation und Glaubwürdigkeit. In puncto Verankerung von Unternehmenswerten schöpft die Mehrheit die Möglichkeiten der Maßnahmen nicht aus.
Organisationen nutzen meist viele verschiedene Ansätze, um ihrer Verantwortung als Unternehmen oder Behörde gerecht zu werden. Der Großteil greift dafür auf niedrigschwellige Maßnahmen zurück. Vor allem intern gehen Organisationen die Extrameile, weil sie hier den Nutzen besser messen können. Klare Standards, beispielsweise für faire Preisverhandlungen oder externe soziale Projekte, sind dagegen seltener. Bei der Messung des eigenen Handelns nutzt nur eine Minderheit ESG-Indikatoren. Am häufigsten ist dies bei ökologischen Zielen der Fall. Damit wird Potenzial verschenkt, denn ohne Kennzahlen, die sich vergleichen und kommunizieren lassen, können die Organisationen nicht glaubwürdig vermitteln, eine Good Company zu sein.
Das Fazit der Studie: Tugendhaftes Handeln etabliert sich auf der strategischen Agenda, und ESG hat sich in den Köpfen der Managerinnen und Manager festgesetzt. Gleichwohl scheint vielen die Reichweite nachhaltigen Handelns noch nicht bewusst. Die Wandlung zur Good Company bietet die Chance, Geschäftsmodelle und Produktionsprozesse zu hinterfragen, sie effektiver und sparsamer und damit umwelt- und sozialverträglich zu gestalten. Dieser Wandel ist keine radikale Abkehr von bewährten wirtschaftlichen Prinzipien, sondern eine Ergänzung um weitere Faktoren, die langfristig auf diese Leitlinien einzahlen.
Der Link zur Studie: Managementkompass Survey – Good Company – F.A.Z. BUSINESS MEDIA | research (faz-bm.de)




