Auszug aus der Rede von Bundeskanzler Olaf Scholz beim Weltwirtschaftsforum am 18. Januar 2023 in Davos.
Die Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft – diese zentrale Zukunftsaufgabe unseres Jahrhunderts – erfährt gerade eine völlig neue Dynamik. Nicht trotz, sondern wegen des russischen Kriegs und des Veränderungsdrucks, der damit für uns Europäerinnen und Europäer einhergeht.
Egal ob Wirtschaftslenkerin oder Klimaaktivist, ob Sicherheitspolitiker oder Investorin – inzwischen ist für jede und jeden von uns glasklar erkennbar, dass die Zukunft allein den erneuerbaren Energien gehört. Aus Kostengründen, aus Umweltgründen, aus Sicherheitsgründen und weil sie auf Dauer die bessere Rendite versprechen! (…)
Der Ausbau von Windkraft, von Solarenergie, von Strom- und Wasserstoffnetzwerken hat jetzt gesetzlichen Vorrang. Allein zwei Prozent unserer Landesfläche werden wir für die Windenergie bereitstellen – und zwar unbürokratisch. Wir haben die Prozesse so verschlankt, dass die Genehmigungen für Stromnetze – um nur ein Beispiel zu nennen – jetzt im Schnitt zwei Jahre schneller erfolgen. Und wir werden noch an Tempo zulegen.
Auch auf unsere Ausbauziele können Sie sich verlassen. Die Blockaden sind weggefegt. Für 2023 haben wir allein den Umfang der Ausschreibungen für Windparks an Land mehr als verdoppelt. Bis 2030 verdoppelt sich auch der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung – auf 80 Prozent. Zugleich nimmt unser Strombedarf zu: von heute 600 auf 750 Terawattstunden bis zum Ende des Jahrzehnts. Und in den Dreißigerjahren erwarten wir eine nochmalige Verdopplung des Bedarfs. Das ist ein gewaltiger Anstieg. Die Bundesnetzagentur hat deshalb den klaren Auftrag bekommen, unsere Stromnetze jetzt darauf vorzubereiten und auszubauen. (…)
Elektrizität allein reicht aber nicht aus für den Industriestandort Deutschland. Ich denke zum Beispiel an die Stahlindustrie. Hier wird Wasserstoff eine entscheidende Rolle spielen. Und das ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Thyssenkrupp hat im Herbst den Startschuss gegeben für den Bau einer Direktreduktionsanlage zur Produktion CO2-armen Premiumstahls. Bei einer Produktion von 2,5 Millionen Tonnen spart diese Anlage pro Jahr 3,5 Millionen Tonnen CO2 ein. Hier zeigt sich die Innovationskraft Europas. Europa ist auf Platz eins der Patenanmeldungen für Wasserstoff. Und jede zehnte weltweit stammt aus Deutschland.
In Deutschland entstehen gerade die ersten Lieferketten für grünen Wasserstoff. Wir nutzen zum Beispiel Offshore-Wind in der Nordsee für unsere eigene Produktion. Parallel schließen wir weltweit Wasserstoff-Partnerschaften. Solange die Mengen gering und der Preis für Herstellung und Import entsprechend hoch sind, sorgt der Staat für einen lukrativen Preis für die Industrie. Unser Ziel ist nicht weniger als ein Elektrolyse-Boom – und mit den wachsenden Mengen eine wasserstoffgetriebene Industrie, die das Klima schont und die unabhängig ist von den volatilen Preisen für fossile Energie. (…)
Auch in Deutschland verlangt die Umstellung auf eine klimafreundliche Wirtschaft große Anstrengungen. Bis 2030 reden wir über Investitionen von rund 400 Milliarden Euro für den Ausbau erneuerbarer Energien allein in unserem Land. (…) Wo sonst gibt es ein solch breites Einvernehmen zwischen Unternehmen, Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmern und Politik, dass der Weg in die Klimaneutralität nicht nur ökologisch notwendig ist, sondern unserem Land auch neue Wettbewerbschancen bietet? (…)
Auf dem Jahrestreffen des World Economic Forum 2045 wird mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin zu Ihnen sprechen. Sicher. Er oder sie wird Deutschland als einen der ersten klimaneutralen Industriestaaten der Welt präsentieren. Die Energieversorgung Deutschlands und Europas wird dann fast ausschließlich aus grüner Elektrizität, Wärme und Wasserstoff stammen. Auf unseren Straßen und Schienen werden wir uns abgasfrei bewegen. Unsere Gebäude werden energieeffizient sein. Unsere Unternehmen werden klimaneutral produzieren. Und zwar die Technologien, die diese Transformation ermöglicht haben und weiter vorantreiben.
Wenn Sie mich also fragen, wie und wo Sie nachhaltig und rentabel in die Zukunft investieren können, dann sage ich Ihnen heute: Don’t look any further! Kommen Sie zu uns, nach Deutschland und nach Europa.




