Die reißen uns die Heizung raus, die nehmen uns das Fleisch weg, und die verbieten uns das Autofahren.“ Wenn es um Nachhaltigkeit geht, hört man häufig solche Unterstellungen und Vorwürfe, geprägt von Ängsten vor Verlust und Einschränkung. Um Nachhaltigkeit jedoch erfolgreich in die Gesellschaft zu integrieren, ist es entscheidend, sie positiv zu besetzen und zum Mitmachen zu motivieren. Dies gilt nicht nur für Erwachsene, sondern insbesondere wenn Nachhaltigkeit an die Entscheiderinnen und Entscheider von morgen vermittelt werden soll: unsere Kinder.

Kinder- und Jugendbildung ist der Grundstein für eine nachhaltige Gesellschaftsentwicklung. Wenn Kinder schon früh für Nachhaltigkeitsthemen begeistert werden, ist damit der Grundstein für eine nachhaltigere Zukunft gesetzt. Doch wie gelingt das? Was es braucht, sind packende Geschichten, tolle Experimente und viele bunte Ideen, damit Kinder zu Entdeckern, Forschern und Gestaltern werden können – mutig, neugierig und kreativ. Denn Nachhaltigkeit bedeutet auch, aktiv zu werden, Verantwortung zu übernehmen und die eigene Rolle in einer nachhaltigen Zukunft zu finden. Kinder sollen früh merken, dass Nachhaltigkeit eben nicht Verzicht und Einschränkung bedeutet, sondern richtig Spaß machen und ihre Lebensqualität erhöhen kann – für jede und jeden Einzelnen, für unseren Planeten, für uns alle.

Wie das in der Umsetzung aussehen kann, zeigt die viversus® gemeinnützige Aktiengesellschaft (gAG). Als bundesweit tätige gemeinnützige Organisation und Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe widmet viversus sich der ehrenamtlichen Nachhaltigkeitsbildung in all ihren Facetten und orientiert sich dabei streng an den 17 Nachhaltigkeitszielen (sustainable development goals, SDGs) der Vereinten Nationen. Die Vision? Nachhaltigkeit erlebbar machen, positiv besetzen und damit Lust auf eine nachhaltige Zukunft machen – und das idealerweise bei allen etwa drei Millionen Grundschülerinnen und Grundschülern in Deutschland. Mit Freude, Mut und Empathie sollen sie neugierig entdecken, wie eine nachhaltige Lebensweise unseren Alltag bereichern kann. Dafür setzt viversus auf einen bunten Mix an Formaten, Kanälen und Methoden. Ansatzpunkt sind Schulen, und dort wird das Thema ganzheitlich gedacht – für Kinder sowie Lehrerinnen und Lehrer.

Von Projekttagen …

Im Frühjahr 2019 startete alles mit der Frage rund um ein Pilotprojekt in der Grundschule Im- menrode: Wie bringen wir Kindern gesunde Ernährung näher – oder, bildlich gesprochen, das „Kuhfutter“? Die Lösung: Tun, Ausprobieren, Erleben. Kinder sind wie ein Schwamm – sie saugen alles auf, was wir ihnen geben. Sie sind neugierig, wollen ausprobieren, und wenn wir sie machen lassen, dann machen sie einfach. Genau auf dieser Idee bauen die GRILLNINJAS® auf: Einen ganzen Schultag lang übernehmen Kinder die Leitung eines kleinen Outdoor-Kochprojekts. Sie bereiten zusammen mit Köchinnen, Köchen und Grillmeistern fünf gesunde Gerichte zu – vom Schneiden über Würzen bis zum Abwasch. Und natürlich darf das gemeinsame Genießen nicht fehlen.

Seit 2022 sind diese Tage komplett fleischfrei – ohne Verbote, ohne Dogmen, aber mit viel Neugier und Geschmack. Das Ziel ist nicht, jemanden zu „bekehren“, sondern zu zeigen, wie abwechslungsreich und genussvoll gesunde Ernährung sein kann. Dazu kommt das Teamgefühl beim Thema Grillen: Es ist kommunikativ, und niemand grillt allein. Die Events sind dabei eingebettet in schulische Projekttage oder anderweitige Rahmenprogramme zur gesunden Ernährung. Als mittlerweile bundesweite Initiative der Nachhaltigkeits- und Ernährungsbildung finden Kooperationen über Schulen hinaus heute auch mit Kindergärten, Behinderteneinrichtungen, Kinder- und Jugendfeuerwehren und anderen Trägern statt.

Mit einem Team von mittlerweile 30 Personen wurden seit dem Start 571 Schulen und Einrichtungen besucht und dabei 12.419 Schülerinnen und Schüler als GRILLNINJAS „ausbildet“. Der positive Nebeneffekt: Nicht nur den Kindern selbst wird gesunde, nachhaltige Ernährung nähergebracht, sondern über die Kinder auch ihren Eltern beziehungsweise Familien, sodass sich hieraus eine im mehrfachen Sinne nachhaltige Kultur entwickeln kann. Und dass alles ohne erhobenen Zeigefinger – aber mit ganz viel Spaß.

Der Erfolgsfaktor dieses innovativen Ansatzes der GRILLNINJAS liegt in der Einfachheit: Nachhaltigkeit wird erlebbar, Alltag und Spaß gehen Hand in Hand, und nebenbei entstehen Impulse für Gesundheit und Bildung. So wurde quasi „aus Versehen“ genau das Richtige gemacht.

… in den Unterricht …

Ernährung ist das eine, doch Nachhaltigkeit ist viel mehr. Durch das Feedback von Lehrkräften und Studierenden wurde das Thema SDGs und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) präsenter. Wie vermittelt man etwas an Kinder, das für viele Erwachsene schon schwer greifbar ist? Seit 2023 sorgt dafür das SDG-Lehrmagazin LUGS®: Als erstes und einziges Magazin dieser Art vermittelt es kindgerecht die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen.

Das zweiundfünfzigseitige Magazin – entwickelt speziell für Grundschulen – bringt Kindern Themen wie „Kein Hunger“ oder „Gesundheit und Wohlergehen“ näher. Anschaulich, lebensnah und mit einem positiven Blick vermittelt es Lösungen und macht Lust auf nachhaltiges Handeln. Erarbeitet werden die Lehr- und Lerninhalte mit einem erfahrenen Redaktionsteam, einem Expertenrat zur Sicherung der fachlichen Güte, sowie den Lehramtsstudierenden der Universität Göttingen, damit das Magazin auch didaktisch Schulbuchqualität hat. „Kinder werden dadurch nicht nur informiert, sondern auch motiviert, sich als Gestaltende einer besseren Zukunft zu verstehen“, so Frauke Heiligenstadt, Bundestagsabgeordnete und frühere Kultusministerin Niedersachsens.

LUGS ist als begleitendes Lehr- und Unterrichtsmaterial ausschließlich für Grundschulen beziehbar. Für mehr Reichweite und Akzeptanz sorgen Kooperationen: Menschen oder Organisationen können die Verbreitung des Magazins als LUGS Zukunftspatinnen und -paten unterstützen, indem sie eine Patenschaft für eine oder mehrere Grundschulen, eine Gemeinde, oder ein Gebiet übernehmen. Die Patinnen und Paten agieren dann als Botschafterinnen und Botschafter für nachhaltige Bildung, beispielsweise indem sie persönlich das aktuelle Magazin in die Grundschule ihrer Gemeinde bringen oder eigene Themenschwerpunkte setzen, um regionalen und saisonalen Besonderheiten Rechnung zu tragen sowie auf Nachhaltigkeitsprojekte vor Ort oder in ihrer Organisation aufmerksam zu machen.

Neben den Kindern profitieren auch Lehrkräfte: mit den BNE-Fachtagen, einer der größten Lehrerfortbildungen Niedersachsens. An zwei Tagen mit mehr als 50 verschiedenen Workshops werden sofort umsetzbare Ansätze für den Schulalltag vermittelt. Hier lernen Lehrerinnen und Lehrer praxisnahe Ansätze, die sie direkt im Schulalltag umsetzen können – von interkultureller Kommunikation, über Algenexperimente und Wald- und Bodennutzungsthemen, bis hin zum interaktiven Fischli-Spiel, bei dem Schülergruppen den Ausgleich zwischen Natur- und Artenschutz, Fischerei- und Industrieinteressen und Konsumentenbedürfnissen finden sowie einen demokratischen Konsens schaffen müssen.

… und über den Schulhof hinaus

Die positiven Impulse reichen längst über den Unterricht hinaus. So entstand in einem gemeinsamen Forschungsprojekt der Universität Göttingen und der Hochschule Anhalt mit den GRILLNINJAS die Idee der „Pop-up-Schulgärten“: Hochbeete aus upgecycelten Lebensmittelcontainern, die gemeinsam mit Auszubildenden aus den Partnerbetrieben der gemeinnützigen AG gebaut werden. Kinder pflanzen darin Kräuter an, die von lokalen Gastronomiebetrieben verwendet werden – eine praktische Erfahrung von Nachhaltigkeit, die Geschmack auf mehr macht. Durch ein cleveres Design einschließlich Wasserreservoir und passendem Bepflanzungskonzept können diese auch Ferienzeiten überstehen und haben einen geringen Pflegeaufwand.

Die Schülerinnen und Schüler bauen hierin Kräuter an, die dann lokale und regionale Gastronomiepartner als Zutat des planetary health dish® verwenden, einem Konzept für innovative, vegane Gerichte. Rund 80.000 Gastrobetriebe in Deutschland können damit den Absatz der margenstärksten Gerichte pushen, soziale und ethische Verantwortung übernehmen, Storytelling betreiben und sich fest lokal und regional verankern.

Diese Verbindung aus Bildung, regionaler Wirtschaft und Gemeinschaft ist zugleich das Erfolgsmodell. Kinder lernen nicht nur die ökologischen Vorteile kennen, sondern können direkt die „Früchte ihrer Arbeit“ genießen und sogar die Klassenkasse unterstützen. Die Schulkinder erleben also, dass es sich lohnt, etwas Nachhaltiges zu tun, und es Spaß macht, gerade in der Ernährung Neues auszuprobieren.

Nachhaltigkeitsbildung gemeinsam fördern

Wenn Nachhaltigkeit funktionieren soll, muss sie positiv erlebbar sein und zugleich wirtschaftlich tragfähig. Nur dann sind Projekte wirklich resilient. Dass die Projekte der viversus funktionieren, zeigen nicht nur das direkte Feedback von Lehrkräften, Schulleitungen, Kindern und Ministerien. Auch die starke Unterstützung von zahlreichen Unternehmen – vom Handwerksbetrieb über kleine und mittelständische Unternehmen bis zu Global Playern – sowie von weiteren Organisationen wie Krankenkassen, Universitäten sowie mehr als 60 Sparkassen und Sparkassenverbänden sind ein lebhafter Beweis dafür. Und nicht zuletzt durfte sich das Team über einige Auszeichnungen und Nominierungen freuen wie den Deutschen Nachhaltigkeitspreis, dem BAM! Bock auf Morgen Award, dem KONKRET-Preis für Innovationen in der Gesundheitsversorgung von der Lilly Deutschland Stiftung sowie weitere Innovationspreise von Bund und Regionen.

Was mit den GRILLNINJAS begann, steht heute auf breiten Füßen. Hinter der Initiative steht mit der viversus gAG eine ungewöhnliche Trägerstruktur, die unabhängige Finanzierung und skalierbare Innovation verbindet. Durch diese Struktur können Fördermittel, Spenden und operative Gewinne aus Dienstleistungen kombiniert werden, ohne die gemeinnützige Mission aus dem Blick zu verlieren. Ein weiterer Erfolgsfaktor sind die unzähligen Kooperationen: Alle tragen ihren Teil zur Reichweite und Akzeptanz bei.

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