Eine älter werdende Gesellschaft, ein wachsendes Verantwortungsbewusstsein jüngerer Generationen, ein neues Verständnis von Arbeit und die Verknappung von Wohnraum prägen die Entwicklung unserer Städte. Sie stellen Städte, Kommunen, Entscheidungsträger sowie Projektentwickler vor neue Herausforderungen. Wie kann die Stadt der Zukunft aussehen? Als wie relevant stufen die Menschen generationsübergreifende Stadtplanung ein? Inwieweit sind wir bereit, uns zugunsten der Umwelt einzuschränken? Diesen Fragen geht die Quartierstudie 2023 auf den Grund, für die DC Developments als Projektentwickler gemeinsam mit dem digitalen Meinungsforschungsinstitut Civey deutschlandweit 10.000 Menschen befragt hat.
Green Living
Insbesondere jüngere Generationen zeigen ihre Bereitschaft und den Drang nach Veränderung in diversen (Klima-)Bewegungen. Wir können zudem generationsübergreifend beobachten, dass der Trend zu einer nachhaltigen Lebensweise, dem „Green Living“, einhergeht mit neuen Denkmustern und verändertem (Konsum-)Verhalten. Das veranschaulichen auch die Ergebnisse der Quartierstudie: 50 Prozent der Deutschen legen insbesondere Wert auf den Kauf von regionaler, saisonaler oder Bio-Ware, um ihre persönliche Lebensführung nachhaltiger zu gestalten. Rund 38 Prozent sind bereit, auf Flugreisen oder Fahrten mit dem Auto zu verzichten oder diese einzuschränken. Des Weiteren sind die Menschen in Deutschland für ein zweites Leben von Produkten offen und kaufen Ware, die upgecycelt (26,6 Prozent) oder gebraucht (24,8 Prozent) ist. Im direkten Vergleich der Altersgruppen wird ersichtlich, dass die Generation von 18 bis 29 Jahren sogar zu über 40 Prozent bereit ist, Flugreisen zu verringern. Über 50 Prozent in dieser Altersklasse würden das Auto öfter stehen lassen und nutzen im Generationenvergleich am ehesten Sharing-Angebote (8,6 Prozent). Fazit: Ob Generation Y oder Z, die jüngeren Menschen in Deutschland setzen sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander und sind bereit, bewusster zu leben. Sie möchten etwas verändern.
Im Dialog

Als Stadt, Kommune, Entscheidungsträger und auch als Projektentwickler sollte diese gesellschaftliche Entwicklung auch unsere eigene Verantwortung in den Fokus rücken. Wie gestalten wir Städte, Lebensräume? Und wie sorgen wir vor allem dafür, dass diese Stadtgestaltung nachhaltig ist? Der Dialog von Politik und Wirtschaft mit den Menschen der Stadt wird hier zur Grundvoraussetzung. Können alle Bedürfnisse der Beteiligten befriedigt werden? Unwahrscheinlich. Aber wir können Foren kreieren, die alle Parteien einbinden, um gemeinsame Ziele zu setzen. Und sich zu diesen zu verpflichten, um ein Fundament für den Wandel zu menschenfreundlicheren sowie klimaschonenderen Städten zu bauen – als Team.
Autoarme Innenstadt
Die Deutschen sind bereit für autoarme Innenstädte: Über 30 Prozent der Menschen in Großstädten wünschen sich autofreie Innenstädte, etwa 25 Prozent sprechen sich für ausgewählte autofreie Stadtgebiete aus, und rund 29 Prozent fordern laut der Quartierstudie reine Fahrradzonen. Während die junge Generation der 18- bis 29-Jährigen die größte Bereitschaft zeigt, auf das Auto zu verzichten, wächst diese auch bei älteren Generationen angesichts von Klimabedrohungen und Platzmangel in den Städten. Metropolen müssen entsprechend mit (neuen) Mobilitätskonzepten vorangehen und vernetzte Strukturen schaffen, die jedoch den Handel nicht vernachlässigen und die Stadt beleben. Die Aufgaben für den öffentlichen Nahverkehr liegen insbesondere im Ausbau sowie in der Barrierefreiheit, um alle Zielgruppen ganzheitlich in ein Modell der Zukunft einzubeziehen.
15-Minuten-Stadt
Neben dem obligatorischen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in unseren (Groß-) Städten ist bereits ein Wandel in der Mischung von Assetklassen und Raumnutzung zu beobachten. Die 15-Minuten-Stadt wird zusehends zum Stadtmodell der Gegenwart und Zukunft: Wohnen, Arbeiten, Gastronomie und Einzelhandel neben Parks, Gemeinschaftsplätzen und Bildungstätten. Wir wollen heutzutage alles fußläufig und innerhalb von 15 Minuten erreichen können. Mit der Hamburger HafenCity als größtem innerstädtischem Stadtentwicklungsprojekt Europas ist ein neuer, moderner Stadtteil entstanden, der zeigt, wie eine solche 15-Minuten-Stadt aussehen kann. Einerseits verdeutlichen unterschiedliche innovative Bauprojekte das Wohnen von morgen, auf der anderen Seite zeigt der Stadtteil insgesamt, wie nachhaltiges Planen und Bauen funktioniert. Die hohen Anforderungen der HafenCity hinsichtlich ESG an die Immobilienprojekte veranschaulichen, wie in jedem Schritt der Projektentwicklung Nachhaltigkeit und umweltschonende Lösungen umgesetzt werden können. Darüber hinaus zeigt die HafenCity mit ihren vielen öffentlichen Plätzen, wie Gemeinschaftsorte für Menschen geschaffen werden können. Orte zum Treffen und Verweilen, die zudem so konzipiert wurden, dass sie für Veranstaltungen verschiedenster Art genutzt werden können.

Wohnzimmer in der Stadt
Mit dem Alter der Befragten der Quartierstudie steigt auch die Relevanz solcher Begegnungsorte in der Stadt der Zukunft. Öffentlicher Raum entwickelt sich vor allem in Großstädten immer mehr zur Erweiterung des eigenen Wohnzimmers und bringt so unterschiedliche Menschen zusammen. Steigende Einwohnerzahlen kollidieren mit fehlendem Wohnraum. Bauflächen werden in Großstädten zusehends knapper, wodurch zum einen Bauen im Bestand an Relevanz gewinnt und zum anderen neue platzsparende Wohnkonzepte benötigt werden, die auch von einer Verlagerung des Lebens in den öffentlichen Raum profitieren. In unseren Projektentwicklungen denken wir deshalb Quartiersplätze mit und sehen sie als Verbindungsglied zum Stadtteil, wie bei unserem Stadtquartier Sedelhöfe in Ulm. Der öffentliche Albert-Einstein-Platz dient hier, umgeben von vier Quartiersgebäuden, als Begegnungs- und Veranstaltungsort für Anwohnende wie Besucherinnen und Besucher. Insbesondere im Sinne älterer Generationen müssen an diesen Orten neben Sitzmöglichkeiten gastronomische Angebote und Barrierefreiheit geboten sein. So können Lebensräume an Attraktivität gewinnen und die ersehnten Begegnungsorte für die älteren Generationen in den Städten zunehmen.
Gemeinsamer Raum
Dieser Gemeinschaftsgedanke findet sich auch in Sharing-Konzepten wieder. International auch als Co-Living bezeichnet, gewinnt das Schaffen von Community Spaces in Wohngebäuden an Bedeutung. Geteilter Raum muss schließlich nur einmal gebaut werden und schafft gleichzeitig zusätzliche Angebote für mehr Menschen. Dabei gilt es, zwischen privaten Bereichen, die unsere intimsten Orte wie Schlafzimmer oder Bad umfassen, und zusätzlichen Flächen wie Fitnessräumen und Co-Working-Spaces zu unterscheiden. In unserem Projekt „Eleven Decks“ in der HafenCity Hamburg haben wir dies bereits umgesetzt. 306 Wohnungen profitieren von einer Communityfläche mit eben jenen Angeboten sowie unter anderem einem Gamingbereich, begrüntem Innenhof und einem Handwerksraum. Dadurch sparen wir bei den Wohnungen selbst Fläche ein: rund 20 Quadratmeter pro Wohnung und über 6.000 Quadratmeter insgesamt. Das ist sowohl ein Gewinn an Fläche als auch an Angebot für die Bewohnerinnen und Bewohner. Das Wohngebäude wird zum Gemeinschaftsprojekt, das bestenfalls sogar individuell mitgestaltet werden kann und sich zukünftig flexibel an wandelnde Bedürfnisse anpasst. Das ist eines der Ziele für das Gebäude der Zukunft und ebenso für das Teamprojekt „Stadt der Zukunft“.




