Auszug aus der Rede von Bundesumweltministerin Steffi Lemke anlässlich der Preisverleihung Bundeswettbewerb Nachhaltige Tourismusdestinationen in Deutschland 2022/23 am 21. Juni 2023.
Urlaub und Reisen – für die meisten Menschen sind das Sehnsuchtsbegriffe. Sie sind verbunden mit Vorfreude auf Erholung und Erlebnisse, Natur und Kultur, Zeit mit Freunden, Familie oder auch mal eine Auszeit nur für sich allein. (…)
Für Deutschland ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig. Er trägt in vielen Städten und Regionen ganz wesentlich zur Wertschöpfung bei. Natürlich steht die Tourismusbranche dabei nicht für sich allein. Sie ist auf andere Branchen angewiesen, die wiederum vom Tourismus profitieren – ob Verkehr, Handel und Handwerk, Landwirtschaft, Gesundheitsfürsorge, Kultur, Kreativwirtschaft oder Freizeiteinrichtungen. Einmalige Landschaften, vielfältige Natur und Kultur ebenso wie Messen und Kongresse ziehen jährlich Millionen Gäste an. Auch deshalb ist es wichtig, eine gesunde Natur und Umwelt zu erhalten und damit eine Existenzgrundlage des Tourismus zu sichern.
Denn wir müssen uns weltweit mit den Herausforderungen auseinandersetzen, vor die uns die dreifache Umweltkrise stellt: die Klimakrise, das Artenaussterben und die Verschmutzungskrise. Dass wir davon auch in Deutschland existentiell betroffen sind, ist in den letzten Jahren immer deutlicher geworden. Um uns herum trocknen Flüsse und Seen aus und die kostbare Ressource Wasser wird immer knapper. Viele Menschen leiden unter extremer Hitze. Wie in vielen Gegenden Europas brennen auch bei uns in Deutschland Wälder. Dabei sind kostbare Naturräume zerstört worden, zum Beispiel in der Sächsischen Schweiz. Mit Blick auf die Klimakrise ist der Tourismus gleichzeitig Opfer und Mitverursacher. Er ist von der Klimakrise und der Veränderung der Lebensräume in besonderer Weise betroffen. Zugleich entstehen fünf bis acht Prozent aller klimaschädlichen Emissionen weltweit allein durch den Tourismus, das entspricht inzwischen zwei bis drei Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr.
Der Urlaubs- und Freizeitverkehr ist für den ganz überwiegenden Anteil der Treibhausgasemissionen im Tourismus verantwortlich. Hier brauchen wir also neue Konzepte für die An- und Abreise und die Mobilität vor Ort.
Auch insgesamt brauchen wir eine nachhaltige Entwicklung des Tourismus, wenn die Branche weiter zu einer stabilen Wertschöpfung beitragen soll. Das ist eine Erkenntnis, die sich immer stärker durchsetzt. (…) Zum nachhaltigen Tourismus gehört aber auch, Fachkräfte mit guten Arbeitsbedingungen zu binden und die Interessen der Menschen vor Ort in den Regionen zu achten.
Die Bundesregierung will den nachhaltigen Tourismus voranbringen. Deshalb haben wir im letzten Jahr Eckpunkte für eine Nationale Tourismusstrategie beschlossen und ein Arbeitsprogramm vorgelegt. Projekte in allen tourismusrelevanten Bereichen der Bundesressorts werden dazu beitragen, den Tourismusstandort Deutschland umwelt- und klimafreundlich, sozial gerecht und innovativ zu gestalten. (…)
Mit einem Sofortprogramm Klimaanpassung haben wir außerdem einen wichtigen Schritt hin zu einer systematischen Klimavorsorgepolitik in Deutschland getan. Unser Ziel ist es, jetzt dafür zu sorgen, dass wir auch unter den Bedingungen der Klimakrise in Zukunft gut leben und wirtschaften können. Dazu gehört, dass Unternehmen ihre Logistikketten überprüfen oder Landwirte für eine klimaangepasste Bewirtschaftung sorgen – das gilt natürlich auch für Tourismusunternehmen.
Eine intakte Natur puffert die Folgen der Klimakrise ab. Eine entscheidende Rolle wird dabei unser Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz spielen, das wir im März im Kabinett beschlossen haben. Ziel ist es, Ökosysteme zu schützen, zu stärken und wiederherzustellen, und damit zugleich ihre Klimaschutzleistung zu verbessern. Dazu investieren wir bis 2026 vier Milliarden Euro in konkrete Wiederherstellungsmaßnahmen und in Anreize für klimafreundliche und naturverträgliche Bewirtschaftungsformen. Natürlicher Klimaschutz kommt auch dem Tourismus zugute. Denn gesunde Wälder und Moore, Flussauen oder Küstenlandschaften, genauso wie eine vielfältige Stadtnatur, sind für Menschen Orte der Erholung und der Erlebnisse.




