Kampf gegen Lebensmittelverschwendung: Hellofresh setzt auf zirkuläre Ansätze und Aufklärung

Lebensmittelverschwendung ist ein großes und oftmals noch unterschätztes Klimaproblem. Kämen alle Lebensmittel auf den Tisch, würde das 10 Prozent weniger Emissionen weltweit bedeuten. Neben der unumstrittenen Pflicht der Lebensmittelindustrie, dagegen vorzugehen, darf die Rolle der Privathaushalte dabei nicht vergessen werden: In Deutschland werden pro Jahr etwa 11 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen.

Wirtschaft und Politik stehen unter Zugzwang, den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung gemeinsam anzutreiben. In Deutschland wurde dafür bereits ein wichtiger erster Schritt getan: Im Juni unterzeichnete Hellofresh Deutschland gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft den „Pakt gegen Lebensmittelverschwendung“ – eine bindende Zielvereinbarung. Sie wurde in Zusammenarbeit mit führenden Einzelhändlern im Rahmen des Nationalen Dialogforums entwickelt und zielt darauf ab, dass jedes Unternehmen die Lebensmittelabfälle bis 2025 um 30 Prozent und bis 2030 um 50 Prozent noch weiter verringert.

Spenden statt wegwerfen

Eine Kreislaufwirtschaft birgt in vielerlei Hinsicht großes Potential, um diese ambitionierten Ziele zu erreichen und Lebensmittelverschwendung und ihre negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu bekämpfen. Eine ressourcenschonende Lieferkette ist dafür eine notwendige Grundlage. Ein weiterer Hebel ist das Spenden überschüssig produzierter Lebensmittel. Unser Unternehmen hat um jede unserer Produktionsstätten ein festes Netz an Partnern aufgebaut, die wöchentlich mit überschüssigem Essen beliefert werden. Dass die aktuelle Ampelkoalition haftungsrechtliche Fragen klären und steuerrechtliche Erleichterungen für Spenden ermöglichen möchte, ist begrüßenswert. Das ermöglicht langfristig auch kleineren Unternehmen, überschüssige Lebensmittel zu verteilen und damit nachhaltigere Lieferketten zu schaffen.

Bei der Lebensmittelproduktion fallen jedoch auch viele Abfälle an, die nicht mehr zum Verzehr geeignet sind. Zirkuläre Ansätze in der Landwirtschaft liefern dahingehend spannende Lösungsansätze: Wir arbeiten sowohl in Großbritannien als auch in den Niederlanden mit Partnern zusammen, die überschüssige Lebensmittel als Tiernahrung nutzen. Seit 2021 besteht die Kooperation mit dem Lieferanten Oranjehoen, die über die Wiederverwendung als Tiernahrung hinausgeht. Jede Woche werden überschüssige Lebensmittel, die sich nicht mehr für Spenden an Menschen eignen, direkt von unserem Zentrallager in Bleiswijk zum Bauernhof von Oranjehoen geschickt, wo sie zu Tierfutter verarbeitet werden. Darüber hinaus fördert diese Zusammenarbeit auch nachhaltige Praktiken, da fast das gesamte Huhn in unserem Menü verwendet wird. Anstatt nur einen Teil des Tieres zu kaufen, versuchen wir, so viel wie möglich aus den Hühnern für unsere Rezepte herauszuholen.

Der Kampf gegen Lebensmittelverschwendung kann nur erfolgreich sein, wenn die Privathaushalte einbezogen werden. Laut Thünen-Institut werden 52 Prozent der Lebensmittelabfälle in Deutschland in privaten Haushalten verursacht. Das entspricht jährlich 74 Kilogramm pro Person. Wenn man die Lebensmittelverschwendung in privaten Haushalten halbieren würde, könnten wir hierzulande jährlich sechs Millionen Tonnen CO2-Emissionen vermeiden und dabei wertvolle Ressourcen sparen, die in anderen Teilen der Welt dringend benötigt werden.

Das Kochboxen-Modell hat großes Potential, wenn es darum geht, der Lebensmittelverschwendung in Privathaushalten vorzubeugen. Die Essenslieferung mit vorportionierten Zutaten hilft dabei, beim Kochen weniger Essen wegzuwerfen. Laut einer wissenschaftlichen Studie des Wuppertal Instituts verursacht das Kochen mit Hellofresh 38 Prozent weniger Lebensmittelmüll.

Eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsunternehmens Kantar hat ergeben, dass sich Privathaushalte ihrer Rolle in Sachen Lebensmittelverschwendung durchaus bewusst sind: Fast die Hälfte sieht sich selbst dafür verantwortlich, das Wegwerfen von Lebensmitteln zu minimieren. Gleichzeitig sehen 71 Prozent die Politik zumindest teilweise dafür verantwortlich, eine Veränderung zu ermöglichen. Aufklärung zu ressourcenschonender Ernährung ist ein wichtiger Hebel, um der Umweltbelastung durch weggeworfene Lebensmittel zuvorzukommen. Das Projekt „Zu gut für die Tonne“ der Bundesregierung und die Organisation Acker e.V., mit der wir in Deutschland zusammenarbeiten, leisten dahingehend bereits sehr gute Arbeit.

Konsumentenaufklärung allein reicht jedoch nicht aus, um die Lebensmittelverschwendung in Privathaushalten zu minimieren. Die Umfrage hat ergeben, dass 44 Prozent mindestens ein- bis zweimal im Monat Essen wegwerfen – fast jeder Achte folgt dabei schlichtweg den Anweisungen auf der Verpackung. 41 Prozent sind davon überzeugt, dass das aktuelle System des Haltbarkeitsdatums nicht dazu beiträgt, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Die Mehrheit ist offen für ein neues System, das der Lebensmittelverschwendung vorbeugt.

Das oft missverstandene Verbrauchs- und Mindesthaltbarkeitsdatum verleitet dazu, vermeintlich verdorbene Lebensmittel zu entsorgen. Gerade Lebensmittel wie Fisch und Fleisch, die einen besonders großen ökologischen Fußabdruck haben, werden häufig entsorgt. Aber wie können wir Verbraucherinnen und Verbraucher dabei unterstützen, weniger wegzuwerfen?

Innovative Haltbarkeitsanzeige

Es gibt bereits heute innovative Lösungen: Zeit-Temperatur-Indikatoren zeigen die Haltbarkeit von Produkten in Echtzeit an, unter Berücksichtigung der Lager- oder Temperaturbedingungen. Die norwegische Firma Keep-it ist einer der Anbieter, die bereits einen solchen Indikator auf den Markt gebracht haben. Der auf der Produktverpackung befestigte Monitor enthält eine Flüssigkeit, die sich bei Überschreitung der Haltbarkeit verfärbt. Hellofresh kooperiert bereits seit 2021 mit Keep-it und testete die innovative Haltbarkeitsanzeige mit 1.500 Kundinnen und Kunden innerhalb einer Studie mit dem Thünen Institut. Diese fand im Rahmen der „Zu gut für die Tonne“-Initiative statt und belegte, dass der Zeit-TemperaturIndikator intuitiv verstanden wurde und das Potential bietet, 15 Prozent der Lebensmittelverschwendung zu vermeiden.

Um die innovative Haltbarkeitsanzeige nutzen zu können, bedarf es regulatorischer Veränderung auf EU-Ebene. Deshalb haben wir uns mit anderen Unternehmen, Verbänden und wissenschaftlichen Institutionen zusammengeschlossen. Bereits im Dezember 2022 haben wir einen gemeinsamen Brief an den Vizepräsidenten der Europäischen Kommission verfasst und führen derzeit auf nationaler und internationaler Ebene Gespräche mit regulatorischen Entscheidungsträgern, um das Potential der Zeit-Temperatur-Indikatoren im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung zu verdeutlichen. Ein erster Schritt ist der Testlauf auf nationaler Ebene, wie er kürzlich bereits in den Niederlanden zugelassen wurde.

Innerhalb der Lebensmittelindustrie schlummert im Bereich Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft noch sehr großes Potential. Neben mehr Kreislaufwirtschaft in Bezug auf Lebensmittelverschwendung gibt es weitere Bereiche, in denen zirkuläre Ansätze ausgebaut werden müssen. Wir tun da bereits viel bei Verpackungen und testen aktuell den Einsatz wiederverwertbarer Boxen für die Auslieferung. In Summe sind die ökologischen Folgen der Lebensmittelproduktion viel zu gravierend und weitreichend, um diese auf politischer und wirtschaftlicher Ebene weiterhin zu ignorieren. Es gibt hier eine Vielzahl von Chancen für mehr Nachhaltigkeit.

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