Ihre Schlüsselrolle bei der Energiewende

Rasant steigende Energiekosten sowie hoher Druck von Investoren, Gesetzgebern und Kunden führen dazu, dass Nachhaltigkeit sich zu einem Top-Thema für Unternehmensentscheider entwickelt. Was man im Markt sehen kann, belegt auch die aktuelle CEO-Studie von IBM: Mehr als die Hälfte aller Führungskräfte über alle Branchen hinweg nennt Nachhaltigkeit als Top-Priorität, verglichen mit 32 Prozent im Vorjahr 2021. Sie erwarten, dass durch Investments in nachhaltige Transformation deutlich bessere wirtschaftliche Ergebnisse erzielt werden.

In unserer Arbeit mit Kunden geht es aktuell um drei Fragen, die durch die Energiekrise stark auf das „E“ von ESG fokussieren. Erstens: Wie können kurzfristig Energie gespart und damit Kosten gesenkt werden? Zweitens: Wie kann man schneller und effizienter die CO2– Ziele erreichen? Drittens: Wie setzt man ein datengestütztes Nachhaltigkeitsmanagement auf, das Reporting und Nachhaltigkeitsaktivitäten unterstützt?

Die Kosten der Unternehmen für den Energieverbrauch haben sich deutlich erhöht – beispielsweise über die massiv steigenden Kosten für den Betrieb der Gebäude, Liegenschaften, Fuhrparks und Rechenzentren. Gleichzeitig wissen wir, laut dem jüngsten „Renewables 2022 Global Status Report“ des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, dass die globale Energiewende, die sich die Welt nach der Covid-19-Pandemie erhofft hatte, noch nicht in ausreichendem Maße stattfindet. Während die Branche und der Einsatz erneuerbarer Energien wachsen, erfolgt die Umstellung auf kohlenstoffarme Energiequellen zu langsam. Laut Statistischem Bundesamt macht der Einsatz erneuerbarer Energien in Deutschland weniger als ein Zehntel des Gesamtenergieverbrauchs der deutschen Industrie aus.

Digitalisierte Gebäude

Dem UN-Umweltprogramm zufolge verbrauchen Gebäude 40 Prozent der weltweiten Energie, 25 Prozent des weltweiten Wassers, 40 Prozent der weltweiten Ressourcen und verursachen 30 Prozent der Treibhausgasemissionen. Die Nachhaltigkeitspläne der Unternehmen müssen sowohl die Energieeffizienz als auch die Senkung der durch den Energieverbrauch verursachten Emissionen einbeziehen – und das erfordert Investitionen in neue Technologien.

Den Energie- und CO2-Fußabdruck von Unternehmensstandorten zu verstehen kann sehr komplex sein. Es beansprucht die Zusammenstellung und Analyse von Unmengen an Daten aus einer Vielzahl von Quellen über mehrere Gebäude hinweg. Der Umfang der Nachhaltigkeitsdaten, die Unternehmen sammeln müssen, erfordert eine ausgefeilte Technologie. Software unterstützt Unternehmen dabei, ihr Immobilien-, Gebäude- und Infrastrukturmanagement effizienter zu gestalten, was sich positiv auf die Kosten und den CO2– Ausstoß auswirkt.

Ein gutes Beispiel dafür ist Sund & Bælt. Das dänische Unternehmen betreibt einige der größten Infrastrukturen der Welt, darunter die Storebælt-Brücke, eine Kombination aus Eisenbahntunnel und Straßenhängebrücke. Mit Hilfe von Software kann das Unternehmen seine Infrastrukturen inspizieren, mit mobilen Geräten vor Ort auf Erkenntnisse zugreifen und KI-Technologie einsetzen, um Daten über den Zustand von Brücken, Tunneln und anderen Infrastrukturelementen zu analysieren. So kann es Verkehrslasten, Wiederholungen und tatsächliche Vibrationen beispielsweise auf der Storebælt-Brücke identifizieren, die Lebensdauer berechnen sowie die kritischsten Bereiche inspizieren. Obwohl das Unternehmen die Storebælt-Brücke für eine Lebensdauer von hundert Jahren gebaut hat, kann es mit dem richtigen Einsatz von Daten und digitalen Lösungen die Lebensdauer der Brücke um hundert weitere Jahre verlängern. Dadurch verringert sich auch der gesamte CO2-Fußabdruck – etwa um 750.000 Tonnen.

Effizienz im Rechenzentrum

Computer, Rechenzentren und Netzwerke verbrauchen etwa 10 Prozent des weltweiten Stroms. Unternehmen müssen darauf achten, die Energieeffizienz in Rechenzentren drastisch zu verbessern und die IT-Infrastruktur zu modernisieren, um den Energieverbrauch zu senken. Das ist insbesondere für Kunden im Versicherungs- und Bankensektor hochrelevant. Die Senkung des Energieverbrauchs im Zusammenhang mit Technologie bringt auch deutliche Kosteneinsparungen für die Unternehmen mit sich. So konnte beispielsweise das Kreditinstitut BBVA die CO2-Emissionen und den Energieverbrauch ihrer Rechenzentrumsprozessoren mit Technologie von IBM um 50 Prozent senken.

Aus diesem Grund arbeiten wir auch daran, den Einsatz erneuerbarer Energiequellen für die Stromversorgung der eigenen Cloud-Rechenzentren weltweit zu erhöhen. Ziel ist es, bis 2025 drei Viertel und bis zum Jahr 2030 insgesamt 90 Prozent des Stroms, den die Rechenzentren von IBM weltweit verbrauchen, aus erneuerbaren Quellen zu beziehen.

Zur eingangs aufgeworfenen Frage der CO2-Ziele: Ein derart optimierter Energieverbrauch wirkt sich direkt auf die CO2-Emissionen und damit auf die Erreichung der CO2– Ziele aus. In dieser Hinsicht ist die Energiekrise ein Treiber der Energietransition. Darüber hinaus gibt es weitere wichtige Hebel, beispielsweise die Lieferketten eines Unternehmens.

Nachhaltige Lieferketten

Die globalen Lieferketten sind schätzungsweise für rund 80 Prozent der Treibhausgasemissionen eines Unternehmens verantwortlich. Inzwischen fordern Verbraucherinnen und Verbraucher mehr Transparenz und Nachhaltigkeit in der gesamten Lieferkette der Produkte, die sie kaufen und konsumieren, und setzen damit Unternehmen unter Druck, ihre Lieferketten neu zu gestalten. Zudem nehmen Regularien wie das Lieferkettengesetz Unternehmen zunehmend in die Verantwortung – für ihre direkten Emissionen und für die Emissionen, die in der Wertschöpfungskette ihrer Produkte und Dienstleistungen entstehen.

Um die zu Beginn gestellte Frage über das nachhaltige Datenmanagement zu beantworten: Es zeigt sich, dass ein häufiges „Nebenprodukt“ der Transparenz die Identifikation von Optimierungspotentialen ist. Das haben wir zuletzt mit dem im November bei den MCA Awards preisgekrönten UK Fashion Trust gezeigt: eine Plattform, die IBM mit der britischen Regierung für die sogenannten „FastFashion-Retailer“ gebaut hat, um komplette Transparenz in der Lieferkette herzustellen.

Die verschiedenen Arten von Daten, die Unternehmen benötigen, um Transparenz und Nachhaltigkeit zu gewährleisten, sind stark fragmentiert und für alle Beteiligten schwer zugänglich. Technologien wie Künstliche Intelligenz und Blockchain ermöglichen es Unternehmen, Daten beispielsweise über ein unveränderliches, verteiltes und gemeinsam genutztes Hauptbuch zu verwalten. So können sie mit ihren Partnern in der Lieferkette auf eine vertrauensvollere und effizientere Art und Weise Transaktionen durchführen, um Herkunft und Qualität zu gewährleisten, Produktabfälle zu reduzieren, den CO2-Fußabdruck zu verringern sowie zusätzlich ihre Rentabilität zu steigern.

Unternehmen sollten sich auf den Aufbau einer nachhaltigen Strategie konzentrieren, die nicht nur Lieferketten umfasst, sondern auch Bereiche wie Klima- und Wettererkenntnisse, intelligente Infrastrukturen, Green IT sowie ESG-Vorschriften.

Transparenz und Standards

Es ist völlig klar: Wir müssen in der Lage sein, unsere Nachhaltigkeitsziele zu messen und über die Fortschritte zu berichten. Zudem stehen Unternehmen – zu Recht – unter dem wachsenden Druck ihrer Stakeholder, transparent und rechenschaftspflichtig über ihre Fortschritte bei der Erfüllung von Umweltverpflichtungen und ESG-Angaben zu berichten. Ein einheitlicher globaler ESG-Standard wäre sicherlich hilfreich, doch damit dies funktioniert, müssen Instrumente zur Erfassung, Prüfung und Berichterstattung von Nachhaltigkeitsinformationen vorhanden sein. 44 Prozent der Führungskräfte geben in der CEOStudie an, dass es ihnen nach wie vor Schwierigkeiten bereitet, Nachhaltigkeitsdaten in Erkenntnisse umzuwandeln, die ihnen helfen, ihre Umweltziele zu erreichen.

Letztlich ist der Weg zu mehr Nachhaltigkeit für jedes Unternehmen ein individueller. Er variiert je nach Region, Branche und dem aktuellen Stand bereits laufender Prozesse. Doch es gibt immer Lösungen. Ein Beispiel ist Evonik: IBM unterstützt das weltweit tätige Spezialchemieunternehmen mit Technologie und Beratung bei seiner Transformation zu einem nachhaltigen Chemiekonzern. Innerhalb weniger Monate wurde das erste Modul für eine Sustainability-Data-Management-Plattform geliefert, die die manuellen Prozesse bei der zentralen Bearbeitung ausgewählter ESG-Kennzahlen weitgehend automatisiert. Ein zweites Beispiel ist eine Software, die Unternehmen hilft, sich auf Wetter- und Klimarisiken vorzubereiten, die das Geschäft stören könnten, und auf die Vorhersagen entsprechend frühzeitig zu reagieren. Dazu werden vorhandene Wetterdaten, fortschrittliche Geodatenanalyse und Künstliche Intelligenz genutzt, um detaillierte Analysen von Klimarisiken zu liefern.

Mehr denn je werden Technologien der Katalysator sein, der Unternehmen hilft, schneller und erfolgreicher nachhaltig zu werden. Eine frühe Energiewende ist technologisch möglich. Nur: Sie auch umzusetzen, das erfordert Mut und entschlossene Entscheidungen.

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