Respekt, Fairness und Anerkennung am Arbeitsplatz als Chance nutzen

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Dieses deutliche Bekenntnis zu Vielfalt, Gleichberechtigung und gegenseitigem Respekt ist so im Artikel  3 des Grundgesetzes niedergelegt und bildet eine Grundfeste unserer gesellschaftlichen Wertegemeinschaft. Doch auch im achten Jahrzehnt seit der Gründung unserer Republik bleibt am Arbeitsmarkt die Lebenswirklichkeit noch immer weit hinter diesen Idealen zurück.

Das zeigt zum Beispiel ein Blick in die Chefetagen der DAX-Konzerne: Weniger als jeder fünfte Vorstandsposten wird von einer Frau bekleidet. Im MDAX finden sich sogar mehr Unternehmen mit komplett männlich besetzten als mit gemischten Vorständen. Oder der Blick auf die beharrliche Gender-Pay-Gap, die sich in Führungspositionen besonders weit spreizt. Der Profifußball verbindet eine hohe gesellschaftliche Anerkennung mit einem ebenfalls hohen Einkommensniveau wie kaum ein anderer Beruf – trotzdem fürchten schwule Spieler in der Bundesliga massive negative berufliche und wirtschaftliche Folgen eines Outings. In vielen Unternehmen werden beim Recruiting qualifizierte Bewerber weiterhin schlicht aufgrund eines fremd anmutenden Namens aussortiert. Unternehmen zahlen mehrheitlich noch immer eher Ausgleichsabgaben, als Arbeitsplätze mit Menschen mit schweren Behinderungen zu besetzen, wie im Sozialgesetzbuch vorgesehen.

Noch ein weiter Weg

Deutschland und seine Wirtschaft haben bei der Erfüllung der aus den Grundwerten unserer Gesellschaft entspringenden Erwartungen also noch eine weite Strecke zu gehen. Den Weg gar nicht anzutreten und stattdessen trotzig stehenzubleiben stellt Unternehmen aber auch wirtschaftlich ins Abseits: Wer seine Mitarbeiter nicht respektiert und ihre Unterschiede nicht als Chance begreift, wird weder das volle Potential seiner bestehenden Belegschaft nutzen noch neue qualifizierte Fachkräfte hinzugewinnen können.

Als Partner der gemeinnützigen Initiative „Charta der Vielfalt“ engagiert sich das F.A.Z.- Institut deshalb für mehr Anerkennung, Wertschätzung und Einbeziehung von Vielfalt in das Berufsleben in Deutschland. Dazu gehört, Arbeitsumfelder frei von Vorurteilen zu gestalten und das durch die Diversität der Belegschaft erweiterte Spektrum an Fähigkeiten und Talenten gezielt wertschöpfend einzusetzen und zu fördern. Und nicht zuletzt: diese Themen sowohl intern als auch öffentlich proaktiv zu kommunizieren und Fortschritt in Vielfalt offen zu unterstützen.

Aus dieser Motivation heraus hat das F.A.Z.-Institut 472 Unternehmen, die auf diesem Weg schon kräftig vorangeprescht sind und sich weit vom Feld ihrer Wettbewerber abgesetzt haben, als „Vorbild in Vielfalt und Diversity 2022“ identifiziert und geehrt. Die mit diesem Zertifikat ausgezeichneten Firmen wurden in einer gleichnamigen Studie des IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung aus rund 20.000 der größten und bedeutendsten in Deutschland aktiven Unternehmen ermittelt.

Die zweigleisige Untersuchung erfasst zum einen mit Hilfe eines Social Listenings aus der Außensicht, welchen Ruf die Firmen in den Themenfeldern Equality, Fairness und Gender Shift im öffentlichen Onlinediskurs genießen. Kombiniert wird dies mit den Ergebnissen einer Onlinebefragung, die aus der Innensicht der Unternehmen Daten zu Zielsetzungen, Maßnahmen und Bedeutung der Vielfalt im Unternehmensleitbild erhebt und vergleicht. Von Aluminiumverarbeitung über Mobilfunkanbieter bis hin zu Zoos setzte in 265 Branchen der jeweils am besten abschneidende Betrieb mit seinem Ergebnis den Maßstab, an dem sich seine Wettbewerber messen lassen mussten.

Dieser wird auf einer Indexskala mit 100 Punkten abgebildet, im Vergleich zu denen die relativen Ergebnisse der anderen Branchenvertreter abgetragen werden. Als „Vorbild in Vielfalt und Diversity 2022“ wurden diejenigen Unternehmen zertifiziert, die zu mindestens 60 Prozent an die Leistung ihres Branchenprimus heranreichen. Dies gelang weniger als drei Prozent der betrachteten Betriebe (siehe Kasten „Methode“).

Best Practices

Das Zertifikat zeigt nicht nur potentiellen Bewerbern, wo sie ein vorbildlich vielfältiges Arbeitsumfeld erwartet, sondern auch Unternehmen mit derzeitig defizitärer Diversität, wo sie sich Best Practices für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess abschauen können.

Methode

Das IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung hat im Auftrag des F.A.Z.-Instituts aus rund 20.000 der größten in Deutschland tätigen Unternehmen 472 „Vorbilder in Vielfalt und Diversity 2022“ mit Hilfe einer zweigleisigen Untersuchung ermittelt.

Vielfalt und Diversity stehen in der modernen Unternehmensführung als Schlagworte nicht nur für die reinen Unterschiede innerhalb der Belegschaft im Hinblick auf persönliche Eigenschaften der Mitarbeiter wie Alter, Herkunft oder Nationalität, Geschlecht, geschlechtliche Identität oder sexuelle Orientierung, Religion oder Weltanschauung, körperliche oder geistige Fähigkeiten. Sondern sie stehen vor allem auch dafür, diese Unterschiedlichkeiten im Arbeitsumfeld anzuerkennen, zu respektieren und als wertvoll anzusehen, sie sinnvoll, wertschätzend und wertschöpfend zu nutzen sowie Diskriminierung am Arbeitsplatz aktiv entgegenzuwirken.

Daten zu Zielsetzungen, verwirklichten Maßnahmen und Bedeutung von Vielfalt im Unternehmensleitbild wurden direkt bei den Unternehmen mit Hilfe eines Onlinefragebogens erfasst. Festgehalten wurde darin unter anderem, ob eine konkrete Diversity-Strategie entwickelt, langfristig geplant und Budgetmittel zur Verfügung gestellt wurden. Positiv bewertet wurden auch Angebote von Mitarbeiterfortbildungen zum Themenbereich, die Berufung von Diversity-Beauftragten und ein regelmäßiges Monitoring hinsichtlich der Frage, inwieweit gesetzte Ziele tatsächlich erreicht werden.

Diese Innensicht wird durch ein Social Listening komplementiert, das als Außensicht die Reputation erfasst und bewertet, die die untersuchten Unternehmen in Bezug auf die Themenfelder Equality, Fairness und Gender Shift im öffentlichen Onlinediskurs genießen.

Dazu wurden mehrere 100 Millionen öffentliche Internetquellen inklusive redaktioneller Webseiten und Social Media nach Erwähnungen der untersuchten Unternehmen zwischen dem 1. September 2021 und dem 31. August 2022 durchsucht. 130.000 Fundstellen konnten mit Hilfe von Verfahren der Künstlichen Intelligenz als den untersuchten Themenfeldern zugehörig identifiziert und einer Sentimentanalyse auf eine positive, neutrale oder negative Tonalität der Erwähnung unterzogen werden.

Die Ergebnisse werden auf einer Index-Skala von 0 bis 100 Punkten abgebildet. In 265 Branchen setzt der jeweils am besten abschneidende Betrieb mit 100 Indexpunkten den Maßstab, an dem alle weiteren Unternehmen der gleichen Branche gemessen werden. Ihre relativen Leistungen im Vergleich zum Branchenprimus werden auf dieser Skala abgezeichnet, wobei die Ergebnisse der Befragung mit einer Gewichtung von 70 Prozent und die des Social Listenings zu 30 Prozent in die Gesamtbewertung einfließen.

Als „Vorbild in Vielfalt und Diversity 2022“ zertifiziert das F.A.Z.-Institut diejenigen Unternehmen, die im brancheninternen Vergleich mindestens 60 Indexpunkte erreichen.

 Ist die für Sie interessante Branche in der Tabelle nicht mit aufgeführt? Alle 472 „Vorbilder in Vielfalt und Diversity 2022“ finden Sie auf https://www.faz.net/asv/vielfaltund-diversity/.

Interessierte Unternehmen erhalten weitere Informationen zu Zertifikat und zur Studie „Vorbild in Vielfalt und Diversity 2022“ beim IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung (Zeughausmarkt 35, 20459 Hamburg) unter Telefon 040 / 253 185 – 161, Fax 040 / 253 185 – 361 oder via E-Mail an alexander.goeschl@imwf.de.

Niemand darf benachteiligt werden

Mit acht Qualifikanten für die Zertifizierung zeigen sich die Versicherer als Vorreiterbranche mit vergleichsweise vielen „Vorbildern in Vielfalt und Diversity“. Als größtes Vorbild gilt hier die Allianz. Der mehr als 130 Jahre alte und lange als besonders konservativ und wandelscheu geltende Versicherungsgigant hat im 21. Jahrhundert einen beeindruckenden Reputations-Turnaround hingelegt und genießt heute unter anderem einen hervorragenden Ruf für seinen aktiven und ehrlichen Einsatz für LGBTIQ+-Rechte. Das spiegelt sich zum Beispiel im anerkannten „Pride Index“ der auf Diversity-Management spezialisierten Uhlala Group wider, in dessen aktueller Ausgabe die Allianz zum wiederholten Male Spitzenwerte als LGBTIQ+-freundlicher Arbeitgeber erzielte. Dies erreichte der Konzern unter anderem durch ein aktives Diversity-Management, das mit internen Schulungen gezielt an die Wurzeln häufig unbewusst gepflegter Vorurteile geht, ein LGBTIQ+-Mentoring-Programm umfasst und auch speziell auf die Bedürfnisse von Trans-Mitarbeitern zugeschnittene Inhalte anbietet. Zudem unterstützt die Unternehmensführung das von Mitarbeitern gegründete Netzwerk „Allianz Pride“.

Unter den weiteren zertifizierten Versicherungen finden sich mit der Gothaer, HDI und Ergo gleich drei Verfolger mit Indexwerten oberhalb von 90 Punkten, sie liegen damit nur eine sprichwörtliche Haaresbreite hinter der erstplatzierten Allianz. „Ich bin stolz auf diese Auszeichnung vom F.A.Z.-Institut. Sie bestätigt, dass wir in Sachen Diversity und Vielfalt bereits vorbildlich unterwegs sind“, sagte Ergo-Arbeitsdirektorin Dr. Lena Lindemann anlässlich der Zertifizierung.

Attraktiv für Arbeitnehmer

Nun möchte natürlich nicht jeder Werktätige auf der Suche nach einem wertschätzenden, fairen, inklusiven Arbeitsumfeld bei einer Versicherung arbeiten. Wer eine Karriere im Gastgewerbe anstrebt, findet zum Beispiel in den Derag Livinghotels ein „Vorbild in Vielfalt und Diversity“. Das familiengeführte Unternehmen bietet in 17 Apartmenthotels in Deutschland (und einem in Südafrika) „individuelle Räume zum Arbeiten, Wohnen und Leben“ und ist Primus unter vier zertifizierten Anbietern der Sparte „Hotels“. Ganz ähnlich wie bei der Allianz gibt es bei den Derag Livinghotels ein aktives, von Mitarbeitern gegründetes und vom Vorstand unterstütztes Diversity-Netzwerk. Auf dem Arbeitgeberbewertungsportal Kununu zeigen sich die Mitarbeiter mit ihrem Arbeitgeber im Vergleich zur Branche insgesamt überdurchschnittlich zufrieden. Besonders groß fällt das Lob hier für den Faktor Vielfalt aus, in dem die Livinghotels-Mitarbeiter vor allem Gleichberechtigung und den Umgang mit älteren Kollegen in ihrem Betrieb positiv hervorheben.

In der akademischen Bildung zeigt zum Beispiel die Nordakademie Hochschule der Wirtschaft als bestbewertete private Hochschule einen deutlichen Einsatz für Diversität. Die 1992 gegründete Hochschule sieht sich neben dem Schutz der Umwelt besonders der Förderung von Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit verpflichtet. Damit sich dies auch in der Alltagswirklichkeit auf dem Campus wiederfindet, hat die Nordakademie unter anderem zusätzlich zur Gleichstellungsbeauftragten auch eine Beauftragte für Personen in besonderen Lebenslagen ernannt, die sich für die Bedürfnisse von Studenten und Mitarbeitern mit Behinderungen einsetzt.

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