Immer mehr Unternehmen erkennen die Notwendigkeit und den Wert von Inklusion von Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Doch es fehlt an Erfahrung und Vorbildern. Menschen mit Behinderung haben noch immer nicht dieselben Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wie Menschen ohne Beeinträchtigung, trotz guter Qualifikation. So waren 2021 durchschnittlich 172.000 schwerbehinderte Menschen arbeitslos, das sind 2.000 mehr als im Vorjahr laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Dabei muss jeder Betrieb ab 20 Mitarbeitenden der Bundesagentur jährlich nachweisen, dass er mindestens fünf Prozent schwerbehinderte Menschen beschäftigt. Trotzdem zahlen viele Unternehmen lieber eine Ausgleichsabgabe, anstatt diese Mindestquote umzusetzen. Es geht aber auch anders.
Nicht weniger professionell
Für ein Unternehmen, das auf zertifizierte Datenvernichtung und Wiedervermarktung von IT-Hardware spezialisiert ist, steht Datenschutz an oberster Stelle. AfB zeigt dabei, dass Inklusionsunternehmen genauso professionell arbeiten wie ihre profitorientierten Wettbewerber. Von Anfang an war klar, dass hier unter anderem die technische Wiederaufbereitung der IT-Hardware von Menschen mit und ohne Behinderung durchgeführt werden sollte.
Seit Firmengründung hat sich das Unternehmen von einem Vier-Personen-Start-up zu einem europaweit agierenden Sozialunternehmen mit 650 Mitarbeitenden entwickelt. Knapp die Hälfte davon ist schwerbehindert, das macht also schon jetzt mehr als 300 Mitarbeitende. Das Firmenziel ist, europaweit 500 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze für behinderte Menschen zu schaffen und zu erhalten.
Wie bei allen Nachhaltigkeitszielen lässt sich auch die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung nur gemeinsam erreichen. Das Geschäftsmodell beruht auf Partnerschaften mit rund 1.600 Unternehmen, Versicherungen und öffentlichen Einrichtungen, welche unserem Unternehmen ihre nicht mehr benötigte Hardware anvertrauen. Die Notebooks, Tablets, Smartphones, PCs und Server werden dann zertifiziert gelöscht, auf Herz und Nieren geprüft und für die Weitervermarktung fitgemacht. Für viele Partnerfirmen ist der soziale Fokus ein ausschlaggebendes Kriterium bei der Wahl ihres IT-Dienstleisters.
Individuelle Arbeitsplätze
Bei AfB gilt der Leitsatz, auf die Stärken statt auf die Schwächen der Mitarbeitenden zu schauen. Oft wird von Arbeitsvermittlungen mitgeteilt, was eine Person mit Behinderung nicht kann. Wir versuchen beispielsweise in Form von Praktika herauszufinden, welche Fähigkeiten eine Person hat und wo ihre Interessen liegen. Ziel der Praktika ist die Festanstellung. So gelingt für viele, die in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten, der Wechsel auf den ersten Arbeitsmarkt.
Wir bilden auch junge Menschen ohne und mit Behinderung in kaufmännischen und IT-Berufen aus. Arbeitsplätze werden bei Bedarf behinderungsgerecht ausgestattet, zum Beispiel durch Einhand-Tastaturen für Amputierte oder Gelähmte und optische Signalumwandler für Hörgeschädigte. Die Arbeitsprozesse sind barrierefrei, ebenso alle öffentlich zugänglichen Räume. Die Arbeitsanweisungen sind bebildert und leicht verständlich. Das firmeneigene Warenwirtschaftssystem ist selbstprogrammiert und barrierearm.
Zwei Betriebssozialarbeitende und die gewählte Schwerbehindertenvertretung bieten allen Mitarbeitenden Beratung und Unterstützung an und sensibilisieren durch Schulungen und Interventionen. Da in allen Unternehmensbereichen Menschen mit und ohne Behinderung neben- und miteinander arbeiten, wird Inklusion für Partner und Kunden ein Stück weit erlebbar. Am Ende zählt nicht die Behinderung, sondern dass ein Mensch auf seine Stelle passt. Eine Behinderung ist letztlich wie die Augenfarbe: eine von vielen Eigenschaften einer Person.




