WestLotto-Kommunikationschef Axel Weber erklärt das Lotto-Prinzip, Ehrenamtsförderung in NRW und wie ein Glücksspielanbieter Verantwortung und wirtschaftlichen Erfolg vereint.

Axel Weber ist Prokurist und Abteilungsleiter für Unternehmenskommunikation, Public Affairs und Responsible Gaming bei WestLotto in Münster. Der gebürtige Oberhausener studierte an der Ruhr-Universität Bochum, arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Europäischen Parlament und leitete anschließend die Kommunikation des NRW-Wissenschaftsministeriums. Nach sechs Jahren als Business Director bei Ketchum Pleon mit Fokus auf die Glücksspielbranche wechselte er 2010 zu WestLotto. Als Gastgeber des Podcasts SpielStudio treibt er den Branchendiskurs zu Regulierung, Jugendschutz und verantwortungsvollem Spiel voran.

Herr Weber, WestLotto hat seit 1955 über 32 Milliarden Euro für das Gemeinwohl erwirtschaftet. Hintergrund ist das sogenannte Lotto-Prinzip. Was steckt dahinter?

Axel Weber: Dahinter verbirgt sich eine großartige Idee: Von jedem Euro, den die Spielerinnen und Spieler bei WestLotto einsetzen, gehen rund 40 Prozent an das Land NRW. Von diesem Geld werden Sport, Gemeinwohl, Kunst und Kultur sowie Denkmal- und Naturschutz gefördert. Lotteriegelder stecken somit in fast jeder Kita, in jedem Sportverein, jedem Jugendtreff und jedem Denkmal. WestLotto hat über das Lotto-Prinzip allein 2025 über 738 Millionen Euro an das Land NRW abgeführt. Das entspricht mehr als zwei Millionen Euro täglich. Gäbe es das Lotto-Prinzip nicht, müsste man es erfinden.

Einen Schwerpunkt Ihres Engagements bildet die Ehrenamtsförderung in NRW. Was war der Impuls für gerade diesen Fokus? Axel Weber: Das Ehrenamt ist eine tragende Säule unserer Gesellschaft und die Mitwirkung jedes Einzelnen stärkt das demokratische Miteinander. Über das Lotto-Prinzip stehen wir bereits eng an der Seite der Organisationen, die mit Millionen Ehrenamtlichen unverzichtbare Arbeit für NRW leisten. Aber als staatliches Unternehmen wollen wir mehr tun. Wir kooperieren deshalb beispielsweise eng mit dem Netzwerk bürgerschaftliches Engagement NRW und mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen. Im vergangenen Sommer haben wir als Partner der World University Games in der Rhein-Ruhr-Region rund 12.000 Freiwillige mit Volunteer-Uniformen ausgestattet. Und wir haben inzwischen an mehr als 35.000 freiwillig Engagierte aus ganz Nordrhein-Westfalen eigens produzierte Ehrenamtsjacken ausgegeben – ein sichtbares Zeichen für Gemeinschaft und Wertschätzung.

Mit dem EhrenamtAtlas haben Sie zunächst eine Datengrundlage geschaffen – die Vermessung des Ehrenamtes in NRW. Was macht dieser sichtbar, was zuvor unsichtbar war?

Axel Weber: Der EhrenamtAtlas erscheint 2026 bereits zum dritten Mal mit aktualisierten Zahlen. Was ihn besonders macht, ist die Tiefe der Analyse. Wir ermöglichen Einblicke in das Ehrenamt in allen 53 Kreisen und kreisfreien Städten in NRW. Damit liefert der EhrenamtAtlas wertvolle Impulse und eine einzigartige Datenbasis zur Frage, wie wir alle das Ehrenamt und damit das Gemeinwohl sowie unsere demokratischen Strukturen gezielt stärken können. Das hilft sowohl politischen Entscheidungsträgern in den Kommunen und auf Landesebene als auch den gesellschaftlichen Trägern aus allen Bereichen nachhaltig dabei, Ehrenamt möglich, attraktiv und sichtbar zu machen.

Wie geht der Weg von den Zahlen zum konkreten Projekt? Können Sie ein Beispiel nennen, wo aus den Erkenntnissen eine Initiative oder Förderung gewachsen ist?

Axel Weber: Ein herausragendes Beispiel ist die Initiative Junges Ehrenamt für NRW. Die Analyse der Daten aus dem EhrenamtAtlas hat uns deutlich vor Augen geführt: Dem Ehrenamt droht ein handfestes Nachwuchsproblem. Denn die Älteren stellen mit 2,8 Millionen Freiwilligen die größte Gruppe der Engagierten. Ihnen stehen aber nur 1,5 Millionen Ehrenamtliche unter 30 Jahren gegenüber. Wer schließt diese Lücke, wenn die Älteren eines Tages in „Ehrenamtsrente“ gehen? Genau hier setzt die Initiative Junges Ehrenamt für NRW an, die wir gemeinsam mit dem vom Land geförderten Netzwerk bürgerschaftliches Engagement NRW ins Leben gerufen haben. Vier Freiwilligendienstleistende verschiedener Träger beschäftigen sich intensiv mit der Frage, wie junge Menschen für das Ehrenamt begeistert werden können und welche Veränderungen bestehender Strukturen dafür nötig sind. Eine sich beständig weiterentwickelnde Initiative – von jungen Menschen für junge Menschen.

Glücksspiel wird teils kritisch gesehen, gleichzeitig ist WestLotto Gemeinwohlmotor. Was sind kommunikativ die größten Herausforderungen in diesem Spannungsfeld?

Axel Weber: Für uns besteht hier kein Widerspruch. Uns ist bewusst, dass wir uns mit unseren Produkten in einem hochsensiblen Umfeld bewegen. Das bringt eine besondere Verantwortung mit sich – und dieser Verantwortung kommen wir mit größter Sorgfalt nach. Gleiches gilt für unsere Rolle als „Gemeinwohlmotor“. Die zentrale kommunikative Herausforderung besteht darin, dies glaubwürdig zu vermitteln. Wir haben uns dazu entschieden, sowohl unsere Stärken als auch die Kritik an uns und unserem Geschäftsmodell offen anzusprechen und konstruktiv damit umzugehen. Ja, wir sind Glücksspielanbieter und sind uns der potenziellen Risiken des Glücksspiels sehr wohl bewusst. Genau deshalb übernehmen wir Verantwortung, indem wir für die Menschen in NRW etwas tun und in einen offenen Dialog mit allen Beteiligten treten – sei es mit den Medien, der Politik, unseren Kundinnen und Kunden oder der Wissenschaft. Deshalb finden Sie in unserem Newsroom neben Tipps für Millionengewinner eben auch Beiträge aus der Wissenschaft für den risikofreien Umgang mit Glücksspiel und Links zu zahlreichen Präventionsprojekten.

Authentizität und Glaubwürdigkeit in der Kommunikation über gesellschaftliches Engagement sind eine Gratwanderung. Welche Grundsätze leiten Sie dabei?

Axel Weber: Uns geht es um eine klare Haltung und ein deutliches Bekenntnis zum Land Nordrhein-Westfalen mit seinen Bürgerinnen und Bürgern. Wenn wir über unser gesellschaftliches Engagement sprechen, steht der Beitrag für die Menschen im Mittelpunkt – nicht wir selbst. Wir möchten zeigen, wie und in welchem Umfang unser Engagement das Leben in NRW bereichert. Das erfüllt uns bei WestLotto mit großem Stolz.

Eine weitere Besonderheit bei WestLotto: Verantwortung für das Gemeinwohl bedeutet im Bereich Spielerschutz manchmal auch, Menschen aktiv vom Konsum abzuhalten. Wie bringen Sie diesen Konflikt von Verantwortung und wirtschaftlichem Erfolg zusammen?

Axel Weber: Ich sehe darin keinen Widerspruch, sondern vielmehr eine Stärke: Wir übernehmen Verantwortung für ein sicheres und verantwortungsbewusstes Spielangebot – und genau das ist die Grundlage unseres wirtschaftlichen Erfolgs. Bereits bei der Produktentwicklung setzen wir an: Schon vor der Markteinführung prüfen wir neue Ideen sorgfältig auf potenzielle Risiken. Dazu gehören zum Beispiel transparente Gewinnstrukturen, nachvollziehbare Spielmechanismen und der bewusste Verzicht auf übermäßige Reize. Zudem setzen wir ein digitales Spielerschutztool ein. Gerade dieses verantwortungsvolle Vorgehen bildet die Basis für unseren nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg.

Sie finanzieren das Präventionsprojekt GAMESHIFT NRW, das Jugendliche für gesunde Mediennutzung und suchtfördernde Mechanismen digitaler Technologien sensibilisiert. Wie kam es zu dieser Entscheidung, Ihre Verantwortung über das eigene Produktportfolio hinaus zu erweitern? Und wo endet sie?

Axel Weber: Wissenschaftliche Studien belegen, dass problematisches Verhalten von Kindern und Jugendlichen im Umgang mit digitalen Medien und Computerspielen das Risiko für spätere Abhängigkeiten erhöhen kann. Deshalb sehen auch wir als Glücksspielanbieter unsere klare Verantwortung darin, Prävention voranzutreiben. Bereits seit einigen Jahren fördern wir die SMART CAMPS zur digitalen Mediennutzung an Schulen in NRW. Mit dem Präventionsprojekt GAMESHIFT NRW gehen wir diesen Weg konsequent und noch umfassender weiter: Die Initiative macht sich für eine verantwortungsvolle Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen stark – und spricht auch deren Bezugspersonen wie Erziehungsberechtigte und Lehrpersonal ganz gezielt an. Zudem ist GAMESHIFT über eine Website und das preisgekrönte Serious Game Lootmania jederzeit auch online nutzbar. Dabei ist uns wichtig: Wir finanzieren diese Projekte und ermöglichen ihre Umsetzung, während die inhaltliche Gestaltung und Konzeption ausschließlich in den Händen ausgewiesener Fachexperten liegen.

Das Lotto-Prinzip ist Teil Ihres Geschäftsmodells, kein nachgelagertes CSR-Programm. Welchen Unterschied macht das für die Unternehmenskultur? Merken Sie das bei Mitarbeitergewinnung und -bindung konkret?

Axel Weber: Das, was heute unter Purpose verstanden wird, ist bei WestLotto seit jeher fest im Selbstverständnis und der Unternehmenskultur verankert. Unsere Lotterieerträge leisten jedes Jahr einen erheblichen Beitrag zum Gemeinwohl in NRW. Das erfüllt unsere Kolleginnen und Kollegen mit Stolz. Und das äußert sich auch ganz konkret: Bei Bewerbungen erleben wir immer wieder, dass unser gesellschaftliches Engagement ein entscheidender Beweggrund für das Interesse an WestLotto ist. Purpose ist bei uns kein Zusatz, sondern täglich gelebtes Leitbild.

Vom Auftrag zur Wirkung

WestLotto wurde 1955 mit einem Auftrag gegründet: Lottoerlöse fließen ins Gemeinwohl. Fünf Prinzipien, mit denen das Unternehmen diese Verantwortung heute strategisch verankert und umsetzt:

  1. Purpose einbauen, nicht aufsetzen: Das Lotto-Prinzip ist kein CSR-Zusatz, sondern Kern des Geschäftsmodells.
  2. Daten schaffen Handlungsfähigkeit: Der EhrenamtAtlas macht freiwilliges Engagement in allen 53 Kreisen und kreisfreien Städten NRWs messbar – als Grundlage für gezielte Förderung.
  3. Vom Ergebnis zur Initiative: Die Nachwuchslücke im Ehrenamt (2,8 Mio. Engagierte über 50, nur 1,5 Mio. unter 30) führte direkt zur Initiative Junges Ehrenamt für NRW.
  4. Verantwortung über das eigene Produkt hinaus: Mit GAMESHIFT NRW investiert WestLotto in Prävention gegen Risiken, die für Kinder und Jugendliche im Umgang mit digitalen Medien und Computerspielen entstehen können
  5. Spannungsfelder benennen, nicht verstecken: Glaubwürdigkeit in einem sensiblen Markt entsteht durch Offenheit – gegenüber Medien, Politik, Wissenschaft und Kunden.

Die Fragen stelle Maike Weismantel.

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