Fußballstar Toni Kroos über seine Werte und die Hilfsarbeit seiner Stiftung

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Toni Kroos (33) gewann 2014 mit der deutschen Fußballnationalmannschaft in Brasilien die Weltmeisterschaft und als einziger deutscher Spieler fünfmal die Champions League. Er ist auch der einzige Deutsche, der diesen Titel mit verschiedenen Vereinen gewonnen hat, viermal mit seinem Club Real Madrid und einmal mit dem FC Bayern München. Für die Nationalmannschaft absolvierte Kroos 106 Länderspiele. Im Jahr 2015 gründete er die Toni Kroos Stiftung, die gesundheitlich stark beeinträchtigte Kinder und Jugendliche sowie deren Familien unterstützt.

V Als Weltmeister und fünfmaliger Champions-League-Sieger sind Sie Vorbild für andere. Wie definieren Sie die daraus erwachsende Verantwortung für sich?

Das liegt ja auf der Hand. Erfolg und das daraus resultierende Im-Fokus-Stehen bringen Verantwortung mit sich. Viele junge Spieler und Spielerinnen schauen ganz genau hin, was ich mache, sage oder wie ich mich in bestimmten Situationen auf oder neben dem Platz verhalte. Dort versuche ich natürlich ein Bild abzugeben, mit dem gerade die Jüngeren etwas anfangen können – im positiven Sinne. Ohne mich allerdings zu verstellen.

V Welche Werte möchten Sie vermitteln?

Am wichtigsten ist es mir, Respekt gegenüber den Mitmenschen zu haben und zu leben. Bei mir gilt das natürlich beruflich auch gegenüber Mitspielern oder Gegnern, Schiedsrichtern oder dem Mitarbeiterstab. Ebenso wichtig finde ich, dass man eine eigene Meinung hat, diese klar äußert und auch dazu steht, was man sagt. Damit müssen dann die Mitmenschen auch leben – ob es ihnen passt oder nicht. Respekt und Klarheit sind mir ganz wichtig.

V Sie engagieren sich im sozialen Bereich mit einer eigenen Stiftung. Wie helfen Sie konkret?

Wir helfen kranken und schwerkranken Kindern und erfüllen ihnen Wünsche, die ohne uns eventuell nicht zu realisieren wären. Dazu versuchen wir auch, deren Eltern zu helfen, die logischerweise mit vielen Widrigkeiten – sei es aus mentaler, organisatorischer oder finanzieller Sicht – zu kämpfen haben. Manchmal geht es bei der Unterstützung um so etwas wie den Umbau eines Badezimmers oder des Autos, um den Eltern zumindest einen etwas praktischeren Alltag mit dem kranken Kind zu ermöglichen. Für das alles arbeiten wir aktuell bereits mit sechs Einrichtungen zusammen – Hospizen, Kinderhäusern oder Kinderkrankenhäusern.

V Wie kam dieses Engagement zustande?

Dank des gesunden Menschenverstands, so banal es klingen mag, der mir gesagt hat, dass ich, weil es mir so extrem gut geht, mich ein Stück für die einsetzen sollte, die dieses Glück eben nicht haben. Und Kinder lagen mir schon immer am Herzen, speziell aber seitdem ich mittlerweile selbst dreifacher Vater bin.

V Durch welche Firmen und Partner werden Sie bei der Stiftungsarbeit in Form von Spenden oder anderweitig unterstützt?

Zunächst mal haben wir mittlerweile einen tollen Stamm an Spendern, die uns seit Jahren treu unterstützen. Es ist immer ein großartiges Gefühl, wenn man Menschen überzeugen kann, 100 Prozent für unser Projekt zu leben, sich zu begeistern und mit vollem Herzen immer wieder dabei zu sein. Unsere Unterstützer wissen, dass jeder gespendete Cent dort ankommt, wo er dringend benötigt wird! Außerdem ist es toll, die Deutsche Postcode Lotterie seit Jahren an unserer Seite zu haben. Das ist ein toller Partner, der ja nicht nur uns unterstützt, sondern weltweit in verschiedenen Bereichen Großartiges leistet, und immer für einen guten Zweck!

V Worin bestehen die größten Erfolge Ihrer Stiftung?

Wie schon eben erwähnt – jeder Spender ist für uns ein großer Erfolg, weil es einfach schön ist und eine Bestätigung für die Arbeit, Menschen von diesem Projekt zu überzeugen. Und auf der anderen Seite ist natürlich jeder Wunsch, den wir erfüllen, immer einzigartig. Die Reaktionen der Kids oder Eltern, die so voller Dankbarkeit sind, sind unbezahlbar.

V Was nehmen Sie persönlich aus Ihrem sozialen Engagement mit?

Ich weiß, dass die Welt, in der ich lebe, diese Fußballblase, nicht wirklich das reale Leben ist. Unser Engagement in der Toni Kroos Stiftung erdet und ordnet vor allem Erfolg und Misserfolg im Sport ein großes Stück weit ein.

V In unserem Magazin erreichen Sie viele Managerinnen und Manager. Was können Sie ihnen aus Ihren Erfahrungen im Spitzensport und im sozialen Engagement mit auf den Weg geben?

Ich kann ihnen keine Tipps geben. Höchstens anspornen, dass jeder, der in seinem Job so erfolgreich ist, dass er sich finanziell keine Sorgen machen muss, sich immer hinterfragen sollte, ob er auch ein Stück weit für Menschen einsteht, die Hilfe brauchen. Der Bedarf ist, und das kann ich mittlerweile gut beurteilen, definitiv da – in ganz unterschiedlicher Form, in ganz unterschiedlichen Bereichen.

Die Fragen stellte Oliver Kauer-Berk.

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