NINA WARNECKE, PFIZER im Interview

Nina Warnecke stieg 2016 bei Pfizer Deutschland in der Unternehmenskommunikation ein und leitet seit 2020 die Abteilung Global Health & Social Impact, die sich mit den Themen der gesellschaftlichen Verantwortung des Unternehmens beschäftigt. Schwerpunktbereiche hierbei sind der gleichberechtigte Zugang zu Gesundheit, Chancengleichheit und gesellschaftliche Teilhabe sowie der Einsatz für eine nachhaltige Welt. Vor ihrer Zeit bei Pfizer Deutschland war die studierte Germanistin unter anderem in einer renommierten PR-Agentur als Kommunikations-Beraterin für Kunden aus der Healthcare-Branche tätig.

Als international agierendes Unternehmen mit Standorten in über 70 Ländern hat Pfizer viele Ansatzpunkte für gesellschaftliches Engagement. Wie definiert das Unternehmen die eigene Verantwortung?

Nina Warnecke: Die Themen, die die Welt heute beschäftigen, wie zum Beispiel der Klimawandel oder soziale Ungleichheiten, sind sehr komplex. Zur Bewältigung dieser gesellschaftlichen Herausforderungen bedarf es einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung und das bezieht natürlich auch Unternehmen mit ein. Als verantwortungsbewusstes Unternehmen setzen wir uns mit unseren Mitarbeitenden sowie mit öffentlichen und privaten Partnerinnen und Partnern dafür ein, aktuelle Herausforderungen zu bewältigen und uns auf kommende vorzubereiten. Konkrete Initiativen zur Unterstützung können in jedem Land, in dem Pfizer aktiv ist, sehr unterschiedlich aussehen, da wir uns am jeweiligen lokalen Bedarf orientieren.

Eines dieser großen, globalen Themen ist chancengleiche Gesundheitsversorgung. Welches Selbstverständnis hat Pfizer bei der Überwindung dieser sozialen Ungleichheit?

Nina Warnecke: Wir glauben fest daran, dass bessere Gesundheit für jeden Menschen überall auf der Welt möglich ist. In unserem Unternehmen ist Chancengleichheit ein zentraler Wert. Wir setzen uns als Unternehmen dafür ein, Ungleichheiten im Gesundheitswesen abzubauen und den gleichberechtigten Zugang zu Gesundheit zu erhöhen. Dafür arbeiten wir mit Partnerorganisationen und Patientenvertretungen zusammen, um unsere Ressourcen zielgerichtet für gesundheitliche Chancengleichheit einzusetzen.

Was sind konkreten Maßnahmen, die sie umsetzen, um gleiche Chancen in der Gesundheitsversorgung in Deutschland zu fördern?

Nina Warnecke: Für Pfizer sind der gleichberechtigte Zugang zur Gesundheitsversorgung und die Stärkung von Gesundheitssystemen weltweit zentrale Schwerpunkte unseres gesellschaftlichen Engagements. Dabei sieht die gesundheitliche Versorgung in jedem Land sehr unterschiedlich aus. In Deutschland funktioniert diese im Grunde sehr gut, doch es gibt auch hierzulande Menschen, die drohen, durch das Raster zu fallen. Beispielsweise leben in Deutschland viele Menschen aus den verschiedensten Gründen ohne Krankenversicherung. Diese unterstützen wir seit mehreren Jahren, unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Projekt „Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung“, bei dem betroffene Menschen kostenlos und anonym ärztliche Beratung und Betreuung erhalten. Durch die Partnerschaft mit den Special Olympics Deutschland und der Förderung ihres Gesundheitsprogramms „Healthy Athletes“ setzen wir uns für einen gleichberechtigten und selbstbestimmten Zugang zu Gesundheitsversorgung von Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen ein. Darüber hinaus engagieren wir uns für eine verbesserte Barrierefreiheit in deutschen Artpraxen und fördern mit unserer Initiative „IchBeimArzt.de“ eine bessere Arzt-Patienten-Kommunikation.

Geht man über Deutschland hinaus, scheitert es häufig bereits an den Angeboten. Was sind hier die größten Herausforderungen, und wie geht Pfizer dagegen vor?

Nina Warnecke: In der Tat bestimmen Wohnort und Einkommen bzw. finanzielle Mittel in vielen anderen Ländern der Welt leider häufig die Qualität der Gesundheitsversorgung und damit auch die Ergebnisse von medizinischen Behandlungen. Pfizer fördert daher weltweit über eigene Initiativen sowie auch im Rahmen von internationalen Gesundheitsprogrammen eine verlässliche und bezahlbare Gesundheitsversorgung. Dies geschieht gemeinsam mit medizinischem Fachpersonal, Gesundheitseinrichtungen, Regierungsorganisationen und lokalen Gemeinschaften in anderen Ländern.

Beispielsweise zielt unser Abkommen für eine gesündere Welt „Accord“ darauf ab, Lücken bei der gesundheitlichen Chancengleichheit von 1,2 Milliarden Menschen mit niedrigem Einkommen in 45 Ländern zu schließen. Pfizer hat sich im Rahmen des „Accords“ dazu verpflichtet, die patentgeschützten Arzneimittel und Impfstoffe des Unternehmens in 45 einkommensschwächeren Ländern der Welt auf gemeinnütziger Basis zur Verfügung zu stellen. Um sicherzustellen, dass diese Medikamente die Bedürftigen auch erreichen und eine langfristige, nachhaltige Wirkung erzielen, arbeiten wir ergänzend mit Regierungen, der globalen Gesundheitsgemeinschaft und anderen Partnern vor Ort zusammen. Dabei verfolgen wir auch das Ziel, Barrieren auf Systemebene, die den Zugang von Patientinnen und Patienten zur Gesundheitsversorgung einschränken oder verhindern können, zu verstehen und zu beseitigen. Ein weiteres Beispiel ist das „Multicultural Health Equity Collective“ in den USA. Es adressiert gesundheitliche Chancengleichheit in enger partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit Patientenorganisationen, Verbänden, Gemeindegruppen und lokaler Politik für die verschiedenen ethnischen Gruppen und weiteren unterrepräsentierten Gemeinschaften der USA.

Des Weiteren unterstützt Pfizer die internationale Impfallianz GAVI, um den Zugang zu Impfungen gerade für Kinder in einkommensschwächeren Ländern, die oft keinen ausreichenden Impfschutz haben, zu verbessern. Die WHO schätzt, dass jedes Jahr mehr als 500.000 Kinder, überwiegend in Entwicklungsländern, an einer Pneumokokken-Infektion sterben. Um diese Kinder zu schützen, stellte Pfizer bisher bereits 740 Millionen Dosen eines Impfstoffs gegen Pneumokokken vergünstigt zur Verfügung. Zudem ist Pfizer seit fast dreißig Jahren Teil der internationalen Trachoma-Initiative. Die vernachlässigte Tropenkrankheit Trachom ist die weltweit führende infektiöse Ursache für Blindheit. Sie kann mit Antibiotika oder einem einfachen chirurgischen Eingriff behandelt werden, weshalb Pfizer bereits eine Milliarde Dosen Antibiotikum für die Trachoma-Initiative gespendet und sein Engagement bis zum Jahr 2030 verlängert hat.

Chancengleichheit bedeutet auch passende Daten für die individuelle Behandlung. In den letzten Jahren wurde viel über die Ungleichheit in klinischen Studien, insbesondere in Bezug auf Gender, diskutiert. Was ist Ihr Ansatz, um eine höhere Diversität klinischer Daten zu erreichen?

Nina Warnecke: Um Diversität in klinischen Studien zu erreichen, arbeiten wir zum einen daran, die Hürden zu identifizieren, abzubauen und somit den Zugang zu klinischen Studien zu erleichtern. Dafür finden intensive Gespräche mit den klinischen Zentren statt, um gerade dort Studien anzubieten, wo der Pool potentieller Teilnehmer:innen vielfältig ist. Und gemeinsam mit Patientenorganisationen arbeiten wir daran, Hindernisse für die Teilnahme an Studien aufseiten der Betroffenen zu beseitigen – auch um das Vertrauen zu schaffen, damit sich mehr Menschen daran beteiligen. Studien zu erleichtern. Dafür finden intensive Gespräche mit den klinischen Zentren statt, um gerade dort Studien anzubieten, wo der Pool potentieller Teilnehmer:innen vielfältig ist. Und gemeinsam mit Patientenorganisationen arbeiten wir daran, Hindernisse für die Teilnahme an Studien aufseiten der Betroffenen zu beseitigen – auch um das Vertrauen zu schaffen, damit sich mehr Menschen daran beteiligen.

Zum anderen wollen wir mehr Bewusstsein für die Relevanz von Diversität in klinischen Studien zur Arzneimittelforschung und -entwicklung schaffen. Denn Vielfalt sorgt für Klarheit: Studien mit heterogener, wirklichkeitsnaher Teilnehmerschaft machen es für Ärzt:innen, aber auch für die Zulassungsbehörden einfacher, das Nutzen-Risiko-Verhältnis eines neuen Wirkstoffs einzuschätzen, damit die richtigen Menschen davon profitieren können.

Mehr Diversität in klinischen Studien bedeutet also, dass wir sinnvolle Schritte in Richtung besserer Gesundheitsergebnisse für alle Menschen machen. Es ist ein Schritt in Richtung globaler Gesundheitsgerechtigkeit.

Am Beispiel Herzinfarkte bei Frauen und Männern hat sich gezeigt, dass Aufklärung in der Gendermedizin eine entscheidende Rolle spielt. Symptome, die lange als Standard galten, müssen durch neue Erkenntnisse differenziert betrachtet werden. Wie sorgen Sie dafür, dass die Erkenntnisse aus diverserer Forschung verbreitet und verstanden werden?

Nina Warnecke: Wir thematisieren geschlechterspezifische Versorgung und Gendermedizin regelmäßig auf unseren Kommunikationskanälen, die sich an die breite Öffentlichkeit richten. Dazu zählen zum einen unsere Social Media-Profile auf Instagram und Linkedin wie auch unsere Unternehmenswebsite „Pfizer.de“ oder unser Wissenschaftsmagazin „zwei“. Über die Bedeutung von Diversität in der Gesundheitsversorgung klären wir dort über unterschiedliche Formate auf. Dafür binden wir sowohl externe Expert:innen auf diesem Gebiet ein als auch unsere eigenen Mitarbeitenden. Seit einigen Jahren veranstalten wir bei Pfizer Deutschland zudem einen jährlich stattfindenden „Diversity Talk“, bei dem wichtige Fragestellungen zu Vielfalt und Chancengleichheit auch im Bereich Gesundheit diskutiert werden. Unsere Kolleginnen und Kollegen vom deutschen Diversity, Equity & Inclusion (DE&I)-Team setzen sich im Unternehmen für diese Themen ein und transportieren diese auch nach außen. Darüber hinaus beteiligen wir uns an externen Veranstaltungen und Konferenzen, die sich speziell dem Thema Diversität beziehungsweise geschlechterspezifischer Gesundheitsversorgung widmen.

„Breakthroughs that change patients‘ lives“ ist das Ziel von Pfizer. Welche Bedeutung hat Diversität intern, um dieses Ziel zu erreichen, und wie fördern Sie diese?

Nina Warnecke: Chancengleichheit ist einer der zentralen Unternehmenswerte von Pfizer, der unsere Mitarbeitenden jeden Tag antreibt. Wir glauben, dass jeder Mensch gesehen und wertgeschätzt werden soll, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung, mit oder ohne Behinderung. Unsere Mitarbeitenden sind so verschieden wie die Welt, in der wir leben und vielfältig wie die Bereiche, in denen wir aktiv sind. Eine inklusive Kultur verbessert nicht nur unser Miteinander, sie macht uns auch offen für neue Perspektiven und Innovationen. Unsere Führungskräfte fördern interne Initiativen und die DE&I-Teams dienen als Ansprechpartner, fördern aber auch Informationsveranstaltungen und den gemeinsamen Austausch. Zusammen mit Partnerinnen und Partnern bringen wir uns außerdem für eine offene Gesellschaft ein, die vielfältige Denkweisen, Perspektiven und Hintergründe vereint. Des Weiteren glauben wir an Partizipation und binden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv in unser gesellschaftliches Engagement rund um Vielfalt, Inklusion und Gleichberechtigung ein. So gibt es regelmäßig die Möglichkeit, sich im Rahmen von Mitarbeitenden-Engagements auch außerhalb von Pfizer zu engagieren.

Wir verstehen Diversität zudem im Sinne eines gegenseitigen gesellschaftlichen Respekts und setzen uns gegen Diskriminierung und Ausgrenzung jeder Art ein. Das halten wir in den aktuellen Zeiten für wichtiger denn je und sind daher seit 2024 Teil des „Business Council for Democracy“. Diese Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung und der Robert-Bosch-Stiftung will ein demokratisches Bewusstsein am Arbeitsplatz fördern. In einem mehrwöchigen Onlineprogramm lernen Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland, wie sie Hassrede, Desinformation und Verschwörungstheorien erkennen und ihnen souverän begegnen können. Damit wollen wir unseren Mitarbeitenden zusätzliche Werkzeuge an die Hand geben. Denn: Toleranz, Mitgefühl und Solidarität sind Werte, für die wir auch als Unternehmen einstehen müssen.

Die Fragen stellte Maike Weismantel.

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