Warum auch die Zivilgesellschaft mit eingebunden werden sollte

Die Frage, welche Rolle Unternehmen in der Gesellschaft haben beziehungsweise haben sollten, ist mindenstens so alt wie die Wirtschaftswissenschaften selbst. Bis dato wurde dabei oft entlang einer linearen Wertschöpfungskette gedacht und die einzelnen Interaktionen entlang dieser Wertschöpfung kritisch hinterfragt: Handelt es sich dabei um einen fairen Tausch oder um Ausbeutung? Sind alle ökologischen und sozialen Folgen des Tausches berücksichtigt? Wie kann die Wertschöpfung zum Vorteil aller gestaltet werden? Diese und ähnliche Fragen bilden den Kern von verantwortungsbewusstem Wirtschaften.

In der jüngsten Diskussion um ökologisches Wirtschaften gewinnt immer mehr das Konzept der Circular Economy an Bedeutung. Ihr Ziel ist es, die Wertschöpfung vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. Diese effiziente Wirtschaftsweise soll dabei auch Kosten reduzieren, Einnahmen erhöhen und Risiken entlang der Wertschöpfungskette für Unternehmen minimieren.

Im Rahmen dieses technologieorientierten Konzepts geht es darum, den traditionellen Trade-off zwischen ökonomischen und ökologischen Zielen durch Synergien (Win-Win) aufzulösen. Dabei ist zu fragen: Ist die Kreislaufwirtschaft auch die Lösung für die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen? Ist sie ein Weg, die nachhaltige Transformation unserer Wirtschaft zu meistern? Kritiker sind hier skeptischer, da Circular-Economy-Konzepte bis dato meist die soziale Dimension ausblenden. Ihnen wird vorgeworfen, zu wenig Aufmerksamkeit auf die Zivilgesellschaft zu legen und insbesondere ökologische Aspekte auf Kosten sozialer Fragen zu lösen.

Um die fehlende soziale Komponente zu berücksichtigen, wäre es daher wichtig aufzuzeigen, welche Lösungsansätze in der Kreislaufwirtschaft für die wachsenden prekären Beschäftigungsverhältnisse, soziökonomischen Ungleichheiten und gesellschaftspolitischen Instabilitäten liegen. Bei allen Vorteilen braucht es nach wie vor auch eine intensive ethische Reflexion sowie die Einbettung der Circular-Economy-Konzepte in eine breitere gesellschaftliche und wissenschaftliche Diskussion über die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. Wenn die Circular Economy erfolgreich sein soll, braucht es einen inklusiven Ansatz, der alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (wirtschaftlich, ökologisch und sozial) integriert.

Multidimensionale Reflexion

Daher gilt es, die innovativen Ansätze der Kreislaufwirtschaft, welche bereits einige Trade-offs zwischen der ökonomischen und der ökologischen Dimension aufgelöst haben, durch die soziale Dimension zu ergänzen. So haben die Unternehmensaktivitäten in der Kreislaufwirtschaft auch weitreichende soziale Folgen für die Stakeholder der Unternehmen, zum Beispiel Kunden, Mitarbeitende, Zulieferer, Konsumenten, Bürger etc. Es gilt, sie allesamt mit zu berücksichtigen, wenn wir eine wirkliche Transformation unserer linearen Wirtschaft hin zu einer zirkulären bewerkstelligen wollen. Diese multidimensionale Reflexion und Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft wird erst dann möglich, wenn wir alle Dimensionen der Nachhaltigkeit sowie die sozio-politische Einbettung der Wertschöpfungsprozesse berücksichtigen. Insofern ist es erforderlich, die Konzepte der Kreislaufwirtschaft in eine breitere Diskussion um die Rolle der Unternehmen in der Gesellschaft sowie die nachhaltige Transformation unserer Wirtschaft einzubeziehen.

Zusammenfassend kann somit gesagt werden, dass das Konzept der Kreislaufwirtschaft einen wichtigen Beitrag darstellt, um unsere Wirtschaft neu zu denken. Jedoch werden die damit verbundenen Veränderungen unseres Wirtschaftssystems und die Folgen für alle Stakeholder umfassend erörtert werden müssen, damit die Circular Economy mehr wird als „altes Denken in neuen Kreisläufen“. Erst wenn die sozialen und politischen Konsequenzen integriert werden, wird die Kreislaufwirtschaft die Akzeptanz erhalten, die ihr viele Unterstützer wünschen.

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