Allein die Zahlen zum EhrenAmtAtlas 2024 sind beeindruckend. Was aber noch viel beeindruckender ist: Das Engagement der Ehrenamtlichen, das hinter diesen Zahlen steckt. Denn der aktuelle EhrenamtAtlas – im Auftrag von WestLotto auf Grundlage einer repräsentativen forsa-Umfrage erstellt – zeigt zum zweiten Mal nach 2022, wie es wirklich um das ehrenamtliche Engagement in Nordrhein-Westfalen steht. Wie es denen geht, die sonst immer für andere da sind. Damit übermittelt er uns allen Botschaften, die weit über das größte Bundesland hinausreichen – und Gesellschaft, Politik und Unternehmen gleichermaßen in die Verantwortung nehmen.

Denn die Ehrenamtlichen in Nordrhein-Westfalen sind laut www.ehrenamtatlas.de gern im Einsatz für die Gesellschaft – wünschen sich aber dringend attraktivere Bedingungen und mehr Wertschätzung. 92 Prozent der Ehrenamtlichen engagieren sich, weil sie etwas für das gesellschaftliche Miteinander tun wollen. Zugleich fordern fast drei Viertel, dass Projekte nicht so oft am Geld scheitern dürfen. Was die Ehrenamtlichen konkret umtreibt: Es fehlt an zuverlässiger Finanzierung, Freiräumen, unterstützenden Strukturen und Wertschätzung. Auf der anderen Seite gibt es ein Zuviel an Bürokratie. Wir sind alle aufgerufen, diese Voraussetzungen zu verbessern.

Von den Besten lernen

Denn dass es ohne Ehrenamt nicht geht, zeigen die aktuellen Zahlen: Allein in NRW belief sich der wirtschaftliche Gegenwert des Ehrenamtes im vergangenen Jahr auf 20,9 Milliarden Euro – und dass, wenn man den Ehrenamtlichen nur den Mindestlohn zahlen würde. Mehr als jeder zweite (54 Prozent) NRW-Bürger über 18 Jahre engagiert sich ehrenamtlich, durchschnittlich bringen die Freiwilligen 208 Stunden im Jahr für ihr Engagement auf. Etwa jeder vierte Engagierte (26 Prozent) ist im Bereich Sport und Bewegung tätig, etwa jeder fünfte (21 Prozent) im Bereich Religion und Kirche. 18 Prozent sind in der „Nachbarschaftshilfe“ im Einsatz. Wie würde es in diesen und vielen weiteren Bereichen ohne ehrenamtliches Engagement aussehen?

Auch die Frage nach angemessener Sichtbarkeit und Wertschätzung ist unter den Engagierten sehr präsent: 70 Prozent der Ehrenamtlichen ist es wichtig, dass ihr Einsatz eine wahrnehmbare Wirkung hat. Dieses Anliegen ist nicht neu, bereits im ersten EhrenamtAtlas 2022 hat fast die Hälfte der Ehrenamtlichen angegeben, sie fühle sich für ihr Ehrenamt nicht oder nicht ausreichend wertgeschätzt. Deshalb haben wir hier dieses Mal noch genauer hingeschaut: Erstmals zeigt der WertschätzungsIndex (WSI) auf einer Skala von 0 bis 100, wie sehr sich die Ehrenamtlichen in den einzelnen Kreisen und kreisfreien Städten wertgeschätzt fühlen. Den höchsten WSI in NRW weist der Kreis Höxter mit 47 auf. Mönchengladbach kommt auf einen Wert von 25. Warum diese Zahl so wichtig ist: Sie hilft dabei, von den Besten zu lernen. Sie ermöglicht einen Austausch zwischen Kreisen und Städten. Was macht ihr in dem Bereich? Warum macht ihr an dieser Stelle das?

Doch was können wir alle konkret tun? Ehrenamtsforscherin Prof. Dr. Andrea Walter von der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung in NRW hat die Umfrage wissenschaftlich begleitet und betont, wie wichtig es ist, die Bedingungen für ehrenamtliche Tätigkeit genau zu hinterfragen. Und hier zeigt uns der EhrenamtAtlas vor allem drei Handlungsfelder auf: Ehrenamt muss möglich, attraktiv und sichtbar sein.

Ehrenamt möglich machen

Was können wir also tun, um gutes freiwilliges Engagement möglich zu machen? 70 Prozent der Engagierten wünschen sich, dass Projekte nicht so oft am Geld scheitern. Zugleich wünschen sich 87 Prozent der Ehrenamtlichen, dass die Politik sich stärker einbringt, um Projekte dauerhaft finanzierbar zu machen, zum Beispiel durch eine Ehrenamtsstiftung. Diese könnte die kleineren Projekte, für die sonst immer das Geld fehlt, ebenso unkompliziert wie zuverlässig ermöglichen. Ein Drittel der Ehrenamtlichen hält ein Zuviel an Bürokratie für ein großes Hindernis. Wie unbürokratische Hilfe aussehen kann, zeigt ein Beispiel aus NRW: Hier hat jedes Finanzamt einen festen Ansprechpartner für gemeinnützige Vereine eingesetzt.

Auch Freiräume zu schaffen kann Ehrenamt möglich machen: 79 Prozent der Ehrenamtlichen befürworten die Unterstützung des Engagements durch Arbeitgeber. Auch Nichtengagierte haben eine klare Vorstellung davon, was Ihre Hilfsbereitschaft erhöhen würde: Freistellungen vom Arbeitgeber (58 Prozent) und finanzielle Vorteile (z. B. Steuerbonus, 66 Prozent).

Ehrenamt attraktiv gestalten

Was können wir tun, um Ehrenamt attraktiv zu gestalten? Ehrenamtsforscherin Walter schlägt vor: Für zeitintensives Engagement sollte die Politik auch neue Anreizstrukturen diskutieren, wie etwa einen Bonus bei der Rente. 79 Prozent der Ehrenamtlichen halten genau das für eine sehr gut geeignete Form der Wertschätzung. Und auch bisher Nichtengagierte könnte ein derartiger Bonus in das Ehrenamt locken, wie der EhrenamtAtlas belegt.

Zudem hält Walter die Möglichkeit zur flexiblen digitalen Ausübung der freiwilligen Tätigkeit von zu Hause für einen starken Anreiz, sich zu engagieren. Der EhrenamtAtlas belegt: Ein Drittel der Befragten findet es wichtig, sich auch digital von zuhause aus engagieren zu können. Für Nichtengagierte erhöht sich die Bereitschaft zum Ehrenamt bei der Bereitstellung von digitalen Lösungen für ein Engagement von zu Hause (65 Prozent). Nicht zuletzt erhöhen Dank und Anerkennung die Motivation für ein langfristiges Ehrenamt: 83 Prozent der Engagierten halten persönliches Lob und Feedback als (sehr) gut geeignet, um ihnen Wertschätzung entgegenzubringen.

Ehrenamt wertschätzen

Was also können wir tun, um Ehrenamt sichtbar zu machen und damit Wertschätzung zu zeigen? Laut EhrenamtAtlas 2024 fühlt sich fast die Hälfte der Engagierten (49 Prozent) weniger stark oder gar nicht von der Gesellschaft für ihr Engagement wertgeschätzt. Fast ebenso viele der Nichtengagierten (48 Prozent) sagen übrigens, dass mehr Wertschätzung in der Gesellschaft die Bereitschaft für das Ehrenamt erhöhen würde.

Als Unternehmen sehen wir uns an dieser Stelle ganz besonders gefordert. Wie wichtig dieser Einsatz für das Ehrenamt ist, zeigt auch eine repräsentative Zwischenbefragung zum EhrenamtAtlas aus dem Jahr 2023: Jeder Dritte in NRW sieht Wirtschaftsunternehmen beim Thema Ehrenamt in der Pflicht. 36 Prozent geben an, dass am ehesten die Unternehmen des Landes aufgerufen seien, für eine bessere finanzielle Unterstützung ehrenamtlicher Strukturen zu sorgen.

Konkrete Hilfen möglich

Ehrenamtsforscherin Walter formuliert es so: „Der Staat benötigt bei der Förderung des Ehrenamtes Unterstützung – und die kann möglicherweise noch stärker als bisher von Unternehmen kommen.“ Für uns von WestLotto ist die Erstellung des EhrenamtAtlas ein großer Schritt in diese Richtung. Das Ehrenamt erhält damit Aufmerksamkeit, und es sind relevante Daten entstanden, die Hinweise liefern, wie dem Ehrenamt geholfen werden kann.

Als Unternehmen können wir also Möglichmacher sein, auch ganz konkret über Freistellungen, flexible Arbeitszeitregelungen. Und wir können helfen, das Ehrenamt sichtbar zu machen und dadurch Wertschätzung aufzubringen. So stattet WestLotto in diesem Jahr beispielsweise Tausende Ehrenamtliche aus ganz NRW mit exklusiven und eigens gefertigten Ehrenamtjacken aus. Mit dem Aufdruck #EhrenamtNRW wird das Engagement für alle sichtbar.

Denn eines ist ohnehin klar: Die Ehrenamtlichen und ihr Engagement haben jede Unterstützung und Aufmerksamkeit verdient.

Andreas Kötter ist seit 2013 Mitglied und seit 2016 Sprecher der Geschäftsführung von WestLotto. Als Chairman der Eurojackpot-Kooperation führt er zudem die weltweit erfolgreichste Lotterieeinführung des vergangenen Jahrzehnts. Weltweit tragen staatliche Lotterien mit ihren Abgaben zum Gemeinwohl bei. Mit WestLotto setzt sich Andreas Kötter insbesondere für Demokratieförderung und ehrenamtliches Engagement ein. Das Unternehmen ist Mitglied der Wertekommission – Initiative Werte Bewusste Führung sowie der Initiative Verantwortung und hat sich beispielsweise an der Kampagne #zusammenland beteiligt. Der EhrenamtAtlas ist 2024 zum zweiten Mal erschienen.

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