Freiwilliges Engagement junger Menschen gemeinsam stärken und zukunftsfähig gestalten

Auf den ersten Blick sehen die Zahlen ermutigend aus: 58 Prozent der unter 30-Jährigen in Nordrhein-Westfalen sind ehrenamtlich aktiv. Sie engagieren sich in Sportvereinen, pflanzen für Umweltinitiativen Bäume oder leiten Jugendgruppen. Ehrenamt ist bei jungen Leuten angesagt. Und das ist gut so: Freiwilliges Engagement ist der Kitt unserer Gesellschaft, stärkt den Zusammenhalt und trägt zu stabilen, demokratischen Strukturen bei.

Doch ein genauer Blick auf die umfangreichen Daten aus dem „EhrenamtAtlas 2024 – Blickpunkt Junges Ehrenamt“ von WestLotto zeigt eine alarmierende Tendenz, die bundesweit gelten dürfte: Mit fast 60 Prozent Engagierten liegt die EhrenamtQuote bei den jungen Menschen (18 bis 29 Jahre) in NRW zwar höher als in allen anderen Altersklassen. Doch mit 1,5 Millionen Engagierten sind die jungen Menschen zahlenmäßig die kleinste Gruppe. Ihnen gegenüber stehen fast doppelt so viele Engagierte über 60 Jahre (2,8 Millionen). Wenn die Älteren sich irgendwann aus dem Ehrenamt zurückziehen, droht dem Ehrenamt rechnerisch eine Lücke von 1,3 Millionen Engagierten.

Nachwuchsgap (2,8 Mio. Ehrenamtliche U60/ 1,5 Mio. Ehrenamtliche U30, Lucke: 1,3 Mio.)

// Quelle: EhrenamtAtlas 2024 – Blickpunkt Junges Ehrenamt

Gesellschaftliche Verantwortung – auch für Unternehmen

Für unsere Gesellschaft ist das eine riesige Herausforderung. Denn ohne Ehrenamt drohen strukturelle Ausfälle in vielen Bereichen – von Sport über Soziales bis Umwelt. Wenn es um die Frage geht, wie gegengesteuert werden kann, sehen die Bürgerinnen und Bürger in Nordrhein-Westfalen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft gleichermaßen in der Pflicht. Auch das belegen die Zahlen des „EhrenamtAtlas“. Als Unternehmen des Landes Nordrhein-Westfalen steht WestLotto zur Verantwortung, die daraus erwächst. Gemeinsam haben WestLotto und das Netzwerk bürgerschaftliches Engagement (NBE NRW) deshalb die Initiative Junges Ehrenamt für NRW auf den Weg gebracht.

Geleitet wird die Initiative von folgenden Fragen: Wie können junge Menschen für ein Ehrenamt gewonnen werden? Was muss sich innerhalb der Ehrenamtsorganisationen tun, damit junge Engagierte einen leichteren Einstieg finden und langfristig dabeibleiben? Ziel ist es, Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen. Schließlich sollen konkrete Handlungsempfehlungen für Organisationen des Ehrenamtes erarbeitet werden.

Vier Perspektiven – ein Ziel

Im Zentrum der Initiative stehen vier junge Menschen, denen die Initiative ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in unterschiedlichen Bereichen ermöglicht:

  1. bei der Ehrenamt Agentur Essen/ lagfa NRW in Essen,
  2. der Naturschutzjugend NRW in Düsseldorf,
  3. der Sportjugend NRW in Duisburg und
  4. bei der youngcaritas in Paderborn.

So erhalten die FSJler vielfältige Perspektiven und Einblicke – inhaltlich wie auch regional.

Eine Taskforce mit klarem Auftrag

Eng begleitet werden die FSJler von den Expertinnen und Experten des NBE NRW. Das von der Landesregierung NRW geförderte Netzwerk vereint aktuell 75 Mitglieder aus verschiedenen Organisationen und Initiativen des zivilgesellschaftlichen Engagements und verfolgt das Ziel, die Engagementstrategie für das Land NRW zu stärken. Denn auch die Mitgliedsorganisationen des NBE NRW sind seit einigen Jahren immer häufiger vergeblich auf Nachwuchssuche. Hinzu kommt ein Zeitfaktor: Junge Ehrenamtliche in NRW engagieren sich im Durchschnitt 166 Stunden pro Jahr. Die über 60-Jährigen verbringen durchschnittlich 255 Stunden jährlich in ihrem Ehrenamt.

Die Initiative Junges Ehrenamt ist bewusst ergebnisoffen angelegt. Die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind die besten Experten für ihr eigenes Engagement, sollen diskutieren und ausprobieren, Ideen und Formate entwickeln. Die Erkenntnisse werden dokumentiert und systematisch an die Mitglieder des NBE kommuniziert, um Maßnahmen anzustoßen und Strukturen anzupassen. Um Verbesserungsvorschläge und Erfahrungen aufzunehmen und umzusetzen, ist die Finanzierung eines zweiten Jahrgangs von FSJlern geplant.

Durchschnittlicher Zeitaufwand in Stunden pro Jahr: Vergleich Junge Engagierte zu Älteren – 166 Stunden versus 255 Stunden // Quelle: EhrenamtAtlas 2024 – Blickpunkt Junges Ehrenamt

Potenzial ist da – jetzt ist Zeit zu handeln

Der starke Schulterschluss zwischen Unternehmen und Akteuren aus dem Ehrenamt wirkt damit direkt in die Organisationen und ist ein entscheidender Hebel für die Stärkung des Ehrenamtes.

Denn auch der Blickpunkt Junges Ehrenamt zeigt: Junge Menschen sind grundsätzlich bereit, sich ehrenamtlich einzubringen. 83 Prozent aller Nichtengagierten zwischen 18 und 29 Jahren in Nordrhein-Westfalen können sich ein Ehrenamt prinzipiell vorstellen. Potenzial ist also reichlich vorhanden – Zeit, es mit den richtigen Initiativen und motivierenden Ideen zu heben.

Aktuelle Beiträge