Fabian Hambüchen (36) gewann 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro die Goldmedaille im Reckturnen. Schon 2007 war er Weltmeister am Reck. In beiden Jahren wurde er zu Deutschlands Sportler des Jahres gewählt. Hambüchen holte in seiner Karriere zwei weitere olympische Medaillen an seinem Spezialgerät, Bronze 2008 in Peking und Silber 2012 in London. Zudem gewann er neun WM-Medaillen. Heute arbeitet Hambüchen als Journalist, Moderator und Keynote Speaker.
V Als Olympiasieger sind Sie Vorbild für andere. Wie definieren Sie die daraus erwachsende Verantwortung für sich?
Ich glaube nicht, dass man automatisch als Olympiasieger ein Vorbild für andere ist ich denke, dass man als erfolgreicher Sportler, der in der Öffentlichkeit steht und für seine Meinung und Werte einsteht, ein Vorbild für andere sein kann. Diese damit verbundene Verantwortung empfinde ich persönlich als Wertschätzung und Anerkennung für das, was ich geleistet habe.
V Sie engagieren sich im sozialen Bereich für Kinder in Nepal. Wie helfen Sie konkret, und wie kam dieses Engagement zustande?
Ich habe die Geschäftsführerin von Back to Life e.V., Stella Deetjen, vor vielen Jahren im Urlaub kennengelernt. Sie hatte mir damals viel über ihre Arbeit in Indien und Nepal erzählt, und ich war sehr beeindruckt. Für mich persönlich ist es immer wichtig zu wissen, was hinter den Kulissen passiert. Es gibt die tollsten Organisationen, aber du weißt nie, wo die Spenden so wirklich landen. Durch den persönlichen Kontakt zu Stella wusste ich, dass alles genau da ankommt, wo es gebraucht wird. Somit spende ich seit 2016 regelmäßig Geld an die Kinder in Nepal. Nach einem großen Erdbeben konnte damit sogar ein Grundschulgebäude neu errichtet werden. Es wurde nach mir benannt.
V Welche Kriterien sind für Sie bei einem sozialen Engagement wichtig?
Das Wichtigste für mich ist zu wissen, wo die Hilfe und Unterstützung ankommt, und dass ein persönlicher Bezug zu der Organisation oder dem Projekt besteht. Ich bin ein sehr nahbarer Mensch und pflege somit gerne die persönlichen Kontakte.
V Was nehmen Sie persönlich aus Ihrem sozialen Engagement mit?
Mir gibt es enorm viel Kraft, Ruhe und Zufriedenheit. Auf der einen Seite ist es sehr schön, anderen Menschen etwas geben zu können, und auf der anderen Seite erdet es einen auch immens. Die Menschen, die wirklich nicht viel in ihrem Leben haben, sind trotzdem mit die glücklichsten. Sie strahlen eine unglaubliche Lebensfreude aus und sind voller Energie. Da können sich viele eine Scheibe von abschneiden in unserer Gesellschaft.
V Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für Sie, beruflich und auch privat?
Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema für mich. Ich lebe selbst in einem in Holzständerbauweise errichteten Energieeffizienzhaus und bin Selbstversorger. Zudem fahre ich noch ein E-Auto, und meine Frau achtet enorm auf die Ernährung und deren Herkunft. Und dadurch, dass mein Leben auch mein Beruf ist, gehen wir alles sehr bewusst an.
V Sie treten auch als Keynote Speaker auf. In unserem Magazin erreichen Sie viele Managerinnen und Manager. Was können Sie ihnen aus Ihren Erfahrungen im Spitzensport mit auf den Weg geben?
Ein ganz wichtiger Punkt in unserer sehr schnelllebigen Gesellschaft heutzutage ist es, seine Kräfte einzuteilen. Häufig steigert man sich in Themen rein oder verstrickt sich in anderen Sachen, die man gar nicht ändern kann. Warum Energie verschwenden für Dinge, die ich eh nicht beeinflussen kann? Der Fokus sollte auf den Dingen liegen, die ich selbst in der Hand habe. Das ist für mich einer der wichtigsten Aspekte, da es mittlerweile viel zu viele Ablenkungen gibt. Aber wenn man es schafft, den Blick für das Wesentliche zu behalten, dann kann man gut in seiner Arbeit und somit auch erfolgreich sein.
Die Fragen stellte Oliver Kauer-Berk.




